Verhütung in der Stillzeit

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Verhütung in der Stillzeit 2018-04-30T10:20:10+00:00

Verhütung in der Stillzeit

Ihr Baby ist da – und sicherlich freuen Sie sich, stillende Mutter sein zu können. Damit Sie Ihre Partnerschaft mit einem erfüllten Sexleben weiterführen können, stellen sich Fragen wie: Kann ich in der Stillzeit schwanger werden? Ab wann können wir wieder Sex haben? Wie verhüte ich am besten in dieser Zeit?

Sex nach der Geburt

Viele Paare fragen sich, ab wann sie ihre Lust gemeinsam wieder ausleben können. Gerade am Anfang stellt man oft fest, dass nicht mehr alles so ist wie vor der Geburt des Kindes. Wochenfluss, Wunden und hormonelle Veränderungen beeinflussen das Sexualleben. Nicht ohne Grund, empfiehlt daher die westliche Medizin nach der Geburt eine Sexpause von etwa zwei Monaten.

Der Umgang mit der Sexualität ist zwar etwas sehr Intimes, Privates und Individuelles. Gleichzeitig sind gerade bei diesem Thema massive Beeinflussungen durch zeit- und kulturabhängige Faktoren gegeben. Um sich auch nach der Geburt des Kindes noch als Paar zu finden, gehört aber auch eine befriedigende Sexualität. Sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen ist daher ein wichtiger Schritt.

Kondom zur Verhütung
© sasint / Pixabay

Was die Geburt vielleicht verändert hat

Veränderungen, die eine Geburt mit sich bringt, wollen wahrgenommen, beachtet und verstanden werden.

Wochenfluss

Nach Ablösung der Plazenta ist an der Gebärmutter jetzt eine Wunde. Wundsekret und auch Blut fließen von dort anfangs bis zu 6 Wochen noch aus. Grundsätzlich ist Sex in dieser Zeit erlaubt bzw. nicht verboten. Jedoch bedeutet der Wochenfluss auch, dass die Wundheilung noch nicht abgeschlossen ist. Ob Sie und Ihr Partner das bei Intimitäten stört, können nur Sie entscheiden. Der Wochenfluss selbst ist nicht infektiös. Die Empfehlung, Kondome zu benutzen, geht wohl darauf zurück, dass der Wochenfluss selber ein idealer Nährboden für Keime von außen sein kann.

Geburtsverletzungen

Sollten Sie einen Dammschnitt oder -riss gehabt haben, kann Sex auch äußerlich zu unangenehmen Schmerzen führen. Gönnen Sie sich die Zeit und warten Sie ab, bis die Verletzungen soweit verheilt sind, dass sich der Sex für Sie wieder gut anfühlt und Sie diesen genießen können. Seien Sie ruhig kreativ, einigen Sie sich, bleiben Sie liebe- und humorvoll.

Hormonelle und andere Veränderungen

Die sexuelle Anziehung zwischen einem Paar kann nach der Geburt sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Gebären ist anstrengend, Eltern werden auch. Schlafmangel und Unsicherheiten sind normal in den ersten Wochen der Elternschaft. Wenn Sie stillen, kommt ein weiterer „zehrender“ Aspekt noch dazu. Die veränderte Hormonlage kann Frauen sexuell dämpfen, eventuell auch anregen. Auch die Männer reagieren individuell verschieden auf wahrgenommene Veränderungen: Stark vergrößerte Brüste können anziehend wirken, plötzlich austretende Milch vielleicht nicht. Die neue Dimension der Elternschaft kann die Liebesgefühle sehr vertiefen, dass der Mann aber die bisher „Seine“ nun mit dem Kind teilen muss, ist auch verständlicherweise gewöhnungsbedürftig.

Dass die Vagina in der Stillzeit zur Trockenheit neigt, ist hormonell bedingt und kein Hinweis auf fehlende Erregung. Es hilft in diesen Zeiten nur Reden und gemeinsames Ausprobieren.

Sich über die Verhütung Gedanken zu machen ist dabei hilfreich.

Kann ich in der Stillzeit schwanger werden?

Ja, Sie können während der Stillzeit schwanger werden!
Um schwanger zu werden, erfordert es einen Eisprung. Die dadurch bedingte Menstruation stellt sich meist 6-8 Wochen nach der Geburt ein. Durch häufiges Stillen kann der Eisprung verhindert werden, womit theoretisch eine Schwangerschaft nicht möglich ist. Dieses Phänomen (Laktationsamenorrhö) verliert jedoch sofort seine Wirkung, sobald die Stillintensität auch nur vorübergehend etwas nachlässt. Da auch Neugeborene nicht rund um die Uhr gestillt werden, ist das meist sehr schnell der Fall. Damit schützt die Stillzeit keinesfalls vor Schwangerschaft, was den Einsatz von Verhütungsmethoden erforderlich macht, sofern eine direkt anschließende Schwangerschaft nicht gewünscht ist.

Verschiedene Verhütungsmethoden im Vergleich

Barrieremethoden

Diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie hormonfrei sind und eigentlich recht gute Sicherheit bieten.

Das Kondom ist grundsätzlich leicht zu handhaben, bietet hohen Schutz und ist preisgünstig. Nachteile: Bei Männer oft doch noch unbeliebt und erstaunlicherweise immer noch häufig fahrlässig und falsch verwendet. Daher auf 100 Einsätze bis zu 12 Schwangerschaften, bei richtiger Anwendung weniger als 2 (Pearl Index 2-12).

Portiokappe oder Diaphragma sind nach etwas Übung recht gut handhabbar und sicher. Dennoch kommen wegen unsachgemäßer Handhabung lt. Pearl Index auch hier auf 100 Anwendungen 1 – 20 Schwangerschaften.

Spirale

Einmal eingelegt bringt sie eine hohe Sicherheit bis zu fünf Jahren. Kupferspiralen und Hormonspiralen steigern die Sicherheit auf unter einer Schwangerschaft auf 100 Anwendungen. Wobei die Hormonspirale als noch sicherer gilt (Pearl Index d. Hormonspirale 0,16 / Pearl Index der Kupferspirale 0,3 -0,8) Als Nachteile sind zu sehen, dass es in den ersten Monaten erhöhtes Infektionsrisiko und Unregelmäßigkeiten im Zyklus gibt.

Exkurs

Was ist der Pearl Index?

Der Pearl-Index, benannt nach dem Biologen und Genetiker Raymond Pearl (1879–1940), ist ein Maß für die Wirksamkeit bzw. Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung. Er gibt an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die Methode.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pearl-Index

Hormonanwendungen

Die Nutzung sogenannter „Pillen“ erfordern während der Stillzeit Beratung durch den Gynäkologen. Östrogenhaltige Präparate sind während der Stillzeit tabu. Die sogenannte Minipille, die durch Gestagen wirkt, ist eine mögliche Alternative. Sie muss aber sehr diszipliniert regelmäßig eingenommen werden. Manche Frauen klagen über Nebenwirkungen. Die Sicherheit ist mit 0,5 bis 3 Schwangerschaften auf 100 Anwendungen recht gut.

Natürliche Empfängnismethoden

Genannt seien stellvertretend die Temperaturmethode (Pearl Index 0,8 – 3), die Billingsmethode (Pearl Index 5-35) und die Kombination aus beiden. Die große Spanne der möglichen Schwangerschaften hat mit der erforderlichen Disziplin und Unsicherheit durch Hormonschwankungen in der Stillzeit zu tun.

Fazit

Dass man während der Stillzeit nicht schwanger werden kann ist ein Ammenmärchen. Sobald Sie sich nach der Geburt eines Kindes wieder für Sex bereit fühlen, müssen Sie sich zwangsläufig auch Gedanken zur Empfängnisverhütung machen, wenn Sie nicht sofort wieder schwanger werden wollen.

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