Milchstau – Ursachen, Symptome, Behandlung

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Milchstau – Ursachen, Symptome, Behandlung 2018-04-30T10:12:05+00:00

Milchstau – Ursachen, Symptome, Behandlung

Wer die Funktionsweise des Milchbildungsprozesses versteht, kann die Ursachen eines Milchstaus nachvollziehen und ihnen vorbeugen. Die Milchbildung und das Stillen sind sehr sensible Prozesse, die auf ein entspanntes und ausgeglichenes Körpersystem angewiesen sind. Oft braucht es nur das richtige Hintergrundwissen, um die Stillzeit mit Selbstvertrauen und ohne Schmerzen genießen zu können.

Was beim Stillen in der Brust passiert

Das Brustdrüsengewebe, in dem die Milch entsteht, besteht aus Milchbläschen und Milchgängen. Es ist buschförmig aufgebaut und verfügt über 15-20 Äste, die ihren Ursprung in der Brustwarze haben und sich in die Brust verzweigen. Wird das Milchbildungshormon Prolaktin freigesetzt, entsteht Milch in den Milchbläschen (Alveolen). Das Baby trinkt bei jeder Stillmahlzeit zuerst die Milch, die sich vom letzten Stillen in den Milchgängen befindet. Gleichzeitig füllen sich die Milchbläschen mit frischer Milch, die kalorien- und fetthaltiger als die „Restmilch“ der letzten Stillmahlzeit ist. Durch den Saugreflex kommt es zur Ausschüttung von Oxytozin im mütterlichen Organismus. Dadurch ziehen sich die Milchbläschen zusammen und pressen ihre Milch in die angrenzenden Milchgänge. Erst von dort ist die Milch für das Baby durch das Saugen erreichbar.

Frau mit Milchstau
© Jacek Chabraszewski / Fotolia

Der Let-Down-Reflex

Das Saugen löst den sogenannten Milchflussreflex aus – den sogenannten Let-Down-Reflex. Wird das Baby an die Brust gelegt, kann es mehrere Minuten dauern, bis das Saugen die Milchfreigabe bewirkt. Damit ist erklärt, warum ein Säugling lange genug trinken muss. Wird er zu früh von der Brust genommen, hat er nur die wenig nährstoffhaltige Vordermilch getrunken und ist noch hungrig. Um wirklich satt zu werden, braucht Ihr Kind die frisch gebildete Hintermilch. Ist der Milchflussreflex nicht ausgeprägt, staut sich die nicht getrunkene Milch und führt zu schmerzhaften Druckempfindungen, die sich zu einer Brustentzündung steigern können. In diesem Stadium ist der Gang zum Arzt unverzichtbar, denn eine unbehandelte Entzündungsreaktion kann eine eitrige Mastitis oder einen Brustdrüsenabszeß zur Folge haben.

Wenn der Milchflussreflex nicht richtig funktioniert

Ein mangelhafter Milchflussreflex ruft Milchstauungen in den Brüsten hervor, die ihrerseits wunde Brustwarzen bewirken, weil das Baby saugt, ohne die wertvolle Hintermilch zu erreichen. Die Brustwarzen werden überstrapaziert und die entstehenden Schmerzen sorgen für eine verkrampfte und innerlich abwehrende Haltung der Mutter. Die nicht abgetrunkene Milch sorgt für angespannte Brüste. Der Druck im Drüsengewebe steigt und die Milchgänge beginnen, sich gegenseitig abzudrücken. Als Resultat verringert sich die Milchproduktion.

Bei stark geschwollenen Brüsten kann das Baby den Warzenhof der Brust nicht vollständig erfassen und kommt dadurch nicht in den Genuss der nahrhaften Hintermilch. Es kann nur auf der Brustwarze herumkauen, ohne wirklich satt zu werden und verursacht Risse in der Brustwarzenhaut. Dringen jetzt Keime an dieser Stelle ein, führt dies zur Entzündung der Brust und bedeutet für viele Mütter das unfreiwillige Ende der Stillzeit.

Voraussetzungen für einen harmonischen Milchflussreflex

Die Milchproduktion ist zum größten Teil von Ihrer psychischen Verfassung abhängig. Ängste, Unsicherheiten, Traurigkeit und Stress halten den Milchfluss zurück. Die wichtigste Voraussetzung für eine entspannte Stillzeit ist daher Ihre Ausgeglichenheit und das Wissen, dass Sie Ihr Kind stillen können und der Körper alles dafür Notwendige tut. Sie müssen das Stillen nicht machen – es geschieht von selbst und in der richtigen Weise. Da die ersten Wochen nach der Geburt nervenaufreibend sein können, müssen Sie ganz bewusst für Entspannung und Ruhe sorgen. Ihre psychische Haltung überträgt sich als Energie auf Ihr Baby. Dieser Vorgang ist für das menschliche Auge verborgen, deshalb erscheinen Hinweise auf Entspannung oder Bettruhe unvollkommen und wenig praktisch. Treten Probleme auf, möchten wir gerne etwas Handfestes tun, um alles zu normalisieren. Beim Stillen ist das Herstellen einer entspannten und zuversichtlichen Haltung das Einzige, was wir „tun“ können.

Ursachen für den Milchstau:

  • Der Milchfluss wird mechanisch behindert, beispielsweise durch Verstopfung eines Milchganges, Saugbläschen oder abgeklemmte Milchdrüsen (z.B. aufgrund zu eng anliegender BHs)
  • Ungenügende Entleerung der Brust, beispielsweise wenn das Baby zu früh von der Brust genommen wurde
  • Verletzung der Brust, beispielsweise nach Stößen
  • Beeinträchtigung des Milchspenderreflexes (Let-Down-Reflex), beispielsweise durch Stress oder Erschöpfung

Typische Milchstau-Symptome:

  • Rötungen
  • Schwellungen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Brustspannen
  • Schmerzen in der Brust
  • Übelkeit
  • Gliederschmerzen

Vorbeugen und Behandlung bei Milchstauungen

Psychosomatische Zusammenhänge sind seit langer Zeit wissenschaftlich bestätigt. Gedanken und Gefühle verändern die Ausschüttung und das Zusammenspiel von Hormonen, die wiederum stark am Milchbildungsprozess beteiligt sind. Was können Sie also aktiv für eine unbeschwerte Stillzeit tun?

  • Unbedingte Ruhe
  • Das Baby doppelt so oft als normal trinken lassen, bei Schmerzen den Milchfluss durch Wärme anregen
  • Quarkkompressen mit entzündungshemmender Schafgarbe- oder Kamilleessenz auflegen
  • Auflegen von gekochten Kohlblättern oder Umschläge mit Retterspitz zur Heilung von Entzündungen
  • Enge Kleidung weglassen
  • Die Hausarbeit steht nicht mehr an erster Stelle
  • Wenden Sie regelmäßig Entspannungsübungen an
  • Trainieren Sie Atemübungen
  • Halten Sie sich viel in der Natur auf
  • Baden Sie regelmäßig, um alle Muskeln und Sinne zu entspannen

Zeigen akute Symptome nicht innerhalb von 24 Stunden Besserung, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Ein unzureichender Milchflussreflex, der durch einen Mangel an Oxytozin hervorgerufen wird, kann auch durch künstliche Hormonzufuhr in Gang gebracht werden. Die plötzlich frei fließende Milch bewirkt einen Schub an Selbstvertrauen und beseitigt mögliche Schmerzen. Homöopathische Mittel wie Bryonia C6, Mercurius C6 oder Silicea C6 können ebenfalls bei Brustentzündungen helfen. Dabei muss das entsprechende Mittel abhängig von den individuellen Symptomen gewählt werden.

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