Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft

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Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft 2018-07-18T12:23:38+00:00

Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft – Ursachen und Hilfe

Dicke, geschwollene Beine sind vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft ein ständiger Begleiter vieler Frauen. Der Grund sind Wassereinlagerungen im Gewebe, die medizinisch Ödeme genannt werden. In der Regel sind sie ungefährlich. Gibt es Möglichkeiten, diese Wassereinlagerungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren?

Wie kommt es zu Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft steigt die Blutmenge an, wodurch die Gefäße elastischer und deutlich durchlässiger werden. Flüssigkeit, die im Blut enthalten ist, kann leichter in das umliegende Gewebe austreten. Zusätzlich arbeitet die sogenannte Wadenmuskelpumpe, die dafür sorgt, dass stetig Blut durch die Venen in die oberen Körperbereiche gepumpt wird, über die neun Monate hinweg nur reduziert. Durch den langsameren Blutfluss hat die im Gewebe enthaltene Flüssigkeit ebenfalls mehr Zeit, aus den Blutgefäßen auszutreten. Wenn mit fortlaufender Schwangerschaft Gebärmutter und Kind größer werden, wird durch den Druck auf die Blutgefäße im Becken der Blutfluss zusätzlich noch einmal verlangsamt.

Warum sind ausgerechnet die Beine so stark angeschwollen?

Je höher der Druck auf die Gefäße wird, desto schwerer fällt es den Venen, ihre Arbeit zu verrichten. Die Folge ist ein Absacken des Blutes in die Beine, da es immer anstrengender wird, das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zu pumpen. Daneben spielt auch der Elektrolythaushalt in der Schwangerschaft eine Rolle. Über die Monate hinweg verändern sich die Werte der an der Flüssigkeitsregulation beteiligten Elektrolyte, wodurch das Entstehen von Wassereinlagerungen ebenfalls begünstigt wird. Daneben können Ödeme auch in den Händen und Fingern auftreten. Meist passen dann die Ringe nicht mehr. Auch das Gesicht, vor allem die Partie um die Augen herum, kann von Wassereinlagerungen betroffen sein.

Wie viel Wasser lagert der Körper während der Schwangerschaft ein?

Das während der Schwangerschaft eingelagerte Körperwasser macht gegen Ende vier bis sechs Kilogramm aus. Neben dem Baby und der Gebärmutter stellen Wassereinlagerungen die höchste Gewichtszunahme während der Schwangerschaft dar.

Sind Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft unbedenklich?

Bei den meisten Frauen kommt es erst im letzten Schwangerschaftsdrittel zu vermehrten Wassereinlagerungen. Vor allem die Füße und Unterschenkel sind von den Ödemen betroffen. Während am Morgen die Schuhe noch wunderbar passen, werden über den Tag verteilt erste Druckstellen sichtbar und am Abend gibt es Probleme, überhaupt noch aus dem Schuhwerk herauszukommen. Diese Wassereinlagerungen sind für sich alleine zwar unbequem, doch so lange zu dem Gefühl schwerer Beine keine weiteren Symptome hinzukommen, unbedenklich. Die Flüssigkeit verschwindet in der Regel direkt nach der Entbindung wieder. Sie werden beobachten, dass Sie im Wochenbett verstärkt schwitzen und vermehrt Urin ausscheiden.

Wann werden Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft gefährlich?

Wassereinlagerungen in den Beinen, an den Armen und im Gesicht können auf eine ernste Schwangerschaftskomplikation hindeuten. Bei drei bis fünf Prozent aller Frauen kommt es zu einer sogenannten Präeklampsie. Andere Namen hierfür sind Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung. Unbehandelt kann eine Präeklampsie in das HELLP-Syndrom umschlagen, das für Mutter und Kind lebensgefährlich sein kann. Wenn Sie eine Gewichtszunahme von mehr als einem Kilo pro Woche bemerken und zudem Ihr Gesicht stark anschwillt, müssen Sie umgehend Ihren Frauenarzt aufsuchen. Auch sonst sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig, da bestimmte Symptome schon früh auf eine Präeklampsie hindeuten und der Arzt eine entsprechende Behandlung einleiten kann. Folgende Symptome, einzeln oder zusammen, können bei einer Präeklampsie auftreten:

  • hoher Blutdruck
  • zu viel Eiweiß im Urin
  • binnen kurzer Zeit unverhältnismäßig hohe Gewichtszunahme
  • Schwindelgefühle
  • Flimmern vor den Augen
  • Ohrensausen
  • Oberbauchschmerzen

Kann Wassereinlagerungen mit der Ernährung vorgebeugt werden?

Früher hieß es, Schwangere müssten auf gesalzenes Essen verzichten. Denn man glaubte, durch Salz werde das Blut dicker, womit die Arbeit der Venen zusätzlich erschwert würde. Zudem rieten Frauenärzte den werdenden Müttern zu speziellen Reis- oder Kartoffeltagen zur Entwässerung. Auch dieser Rat ist mittlerweile völlig antiquiert und nicht durch wissenschaftliche Studien zu belegen. Die beste Empfehlung stellt eine ausgewogene, gesunde Ernährung in Verbindung mit einer reichlichen Trinkmenge dar. Das Essen darf gerne so wie bisher gesalzen werden.

Hilft Sport gegen Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Eine moderate körperliche Betätigung, wie sie bei Yoga, Walken oder Schwimmen der Fall ist, kann helfen, die Beschwerden bei Wassereinlagerungen zu lindern. Frauen, die regelmäßig Sport treiben und auch schon vor der Schwangerschaft aktiv waren, haben deutlich weniger mit Ödemen zu kämpfen.

Gibt es Medikamente gegen Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Schwangere Frauen sollten aus grundsätzlichen Erwägungen keine entwässernden Medikamente einnehmen. Das betrifft auch Hausmittel wie bestimmte Kräutertees, die eine entwässernde Wirkung haben. Zudem ist es ebenfalls keine gute Idee, die Trinkmenge zu reduzieren. Das hilft nämlich nicht gegen Ödeme in den Beinen, sondern verursacht eher Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen. Einige Frauen haben mit homöopathischen Mitteln und Akupunktur Erfolge erzielt. Die Behandlung gehört jedoch in die Hände eines erfahrenen Naturheilkundlers. Von einer Selbstmedikation ist, wie bei allem in der Schwangerschaft, dringend abzuraten.

Tipps gegen Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft

Es gibt ein paar Dinge, die Sie tun können, um Ödeme zu vermeiden oder die Ihnen zumindest das Leben ein wenig angenehmer machen.

Entlasten Sie Ihre Beine: Bleiben Sie tagsüber nicht zu lange stehen und legen Ihre Beine, wann immer es möglich ist, hoch. Nutzen Sie einen Stuhl oder einen Stapel Aktenordner auf Ihrem Schreibtisch im Büro.

  • Ringe aus: Sobald Sie merken, dass die Finger anschwellen, ist es Zeit, Ihre Ringe auszuziehen.
  • Stützstrumpfhosen: Sie können gerade im Sommer etwas unangenehm sein, doch es gibt nichts, das hilfreicher wäre, um das Absacken des Blutes in die Beine zu unterbinden. Ziehen Sie die Stützstrümpfe morgens im Bett noch im Liegen an.
  • Trinken: Trinken Sie genug? Mehr als zwei Liter stilles Wasser, Früchtetee oder verdünnte Fruchtsäfte sollten es auf jeden Fall sein.
  • Bequeme Kleidung: Komfortable, locker sitzende Kleidung und bequeme Schuhe helfen Ihnen, leichter durch diese beschwerliche Zeit zu kommen.
  • Wechselduschen: Kalt-warme Wechselduschen und Beingüsse sind eine Wohltat bei geschwollenen Füßen. Wenn Sie eine Kneipp-Anlage in der Nähe haben, können Sie diese nutzen. Halten Sie allerdings erst Rücksprache mit Ihrem Frauenarzt.
  • Ruhe: Gönnen Sie sich regelmäßig Entspannung und lassen Sie sich nicht stressen.
  • Fußbad: Als Soforthilfe bei geschwollenen, müden Beinen eignet sich ein Meersalz-Fußbad.
  • Raumtemperatur: Hitze fördert geschwollene Beine. Achten Sie vor allem im Sommer darauf, sich in kühlen Räumen aufzuhalten.

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