Schwangerschaftsdiabetes

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Schwangerschaftsdiabetes 2018-09-04T12:02:58+00:00

Schwangerschaftsdiabetes – Vorbeugen, erkennen, behandeln

Ein zu hoher Blutzuckerspiegel, der sich während der Schwangerschaft bemerkbar macht, kann sowohl für Mutter als auch Baby weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Rechtzeitig erkannt, ist dieser spezielle Schwangerschaftsdiabetes jedoch sehr gut behandelbar. Nach der Geburt normalisieren sich die Blutzuckerwerte meist sofort. Doch wie kommt es zu Schwangerschaftsdiabetes und was müssen Sie als werdende Mutter beachten?

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Bei Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, handelt es sich um eine häufige Begleiterkrankung. Rund fünf bis zehn Prozent der Schwangeren sind betroffen. Diese Störung des Kohlenhydratstoffwechsels wird vom Frauenarzt erstmalig in der Schwangerschaft diagnostiziert. Bei Frauen, die Diabetikerinnen vom Typ 1 oder 2 sind, wird nicht von Schwangerschaftsdiabetes gesprochen. Diese spezielle Form des Diabetes verschwindet in der Regel nach der Geburt von alleine wieder. Wird die Krankheit nicht erkannt und entsprechend therapiert, können sich Gefahren für Mutter und Kind ergeben. Aus diesem Grund muss der Frauenarzt zwischen der 24. und 28. Woche einen Suchtest durchführen.

Die Ursachen von Schwangerschaftsdiabetes

Ab der zweiten Hälfte der Schwangerschaft werden vom Körper Hormone produziert, die dafür sorgen, dass der erhöhte Energiebedarf der Zellen mit Glukose gedeckt wird. Damit die Zellen diesen Zucker verstoffwechseln können, muss die Bauchspeicheldrüse verstärkt das Hormon Insulin freisetzen. Im Blut sinkt dafür die Zuckerkonzentration ab. Bei vielen schwangeren Frauen kann die Bauchspeicheldrüse diese Mehrarbeit nicht bewältigen, sodass der Körper einen Insulinmangel aufweist. Mediziner bezeichnen dieses Phänomen als einen echten Insulinmangel. In anderen Fällen kommt es zu Schwangerschaftsdiabetes, weil bereits im ersten Trimester Hormone wie HCG dafür Sorge tragen, dass die Zellen auf Insulin insgesamt sensibler ansprechen. Durch eine Veränderung im Hormonhaushalt während des zweiten und dritten Trimesters der Schwangerschaft entsteht zunehmend eine Insulinresistenz. Obwohl im Körper ausreichend Insulin vorhanden ist, kann der Blutzuckerspiegel von alleine nicht mehr abgesenkt werden. Dies wird als relativer Insulinmangel bezeichnet.

Risikofaktoren

Wenn Sie bereits in der vorhergehenden Schwangerschaft unter einem Diabetes litten oder in Ihrer Familie ein erhöhtes Risiko besteht, wird Ihr Gynäkologen einen entsprechenden Test bereits in der 13. Schwangerschaftswoche veranlassen. Der Schwangerschaftsdiabetes ähnelt dem Diabetes vom Typ 2, daher sind übergewichtige Frauen häufiger von dieser Schwangerschaftskomplikation betroffen. Doch auch normalgewichtige Frauen können einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Die folgenden Faktoren begünstigen einen Gestationsdiabetes:

  • Übergewicht mit einem BMI von > 30
  • Fehlernährung in der Schwangerschaft
  • Diabeteserkrankungen im familiären Umfeld
  • frühere Fehlgeburten
  • Geburtsgewicht des Kindes bei einer vorausgegangenen
  • Schwangerschaft von >4500 Gramm
  • Geburtsgewicht der Mutter von >4500 Gramm
  • Alter der Schwangeren von >35
  • hohe Fruchtwassermenge
  • PCO-Syndrom
  • Einnahme bestimmter Medikamente wie Kortisonpräparaten während der Schwangerschaft

Symptome von Schwangerschaftsdiabetes

Ähnlich wie Bluthochdruck entwickelt Schwangerschaftsdiabetes keinerlei spezifische Symptome, an denen Frauen ihre Erkrankung selbst bemerken könnten. Denn die typischen Symptome eines Diabetes vom Typ 2 wie starker Harndrang oder übermäßiger Durst tritt bei Schwangeren fast nie auf. Sofern die medizinische oder familiäre Vorgeschichte der Patientin nicht eine frühere Kontrolle erfordert, wird ein Schwangerschaftsdiabetes meist im Rahmen des Screenings zwischen der 24. und 28. Woche entdeckt. Auch die Ultraschalluntersuchung kann dem Frauenarzt wertvolle Hinweise auf einen eventuellen Gestationsdiabetes liefern. Oft zeichnet sich das Ungeborene durch ein übermäßiges Wachstum und einem Gewicht aus, das deutlich zu hoch für die Schwangerschaftswoche ist. Ein Schwangerschaftsdiabetes ist behandlungsbedürftig, da es sonst zu weiteren Komplikationen kommen kann.

Diagnostik

Bei der Diagnostik wird unterschieden zwischen Patientinnen mit einem erhöhten Risiko und dem normalen Screening innerhalb der Schwangerschaft. Die Kosten werden jeweils von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Risikopatientinnen

Schwangere, die ein erhöhtes Risiko für einen Gestationsdiabetes haben, können bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel getestet werden. Gemessen wird in diesem Fall die sogenannte venöse Gelegenheitsplasmaglukose. Die Patientin muss hierfür nicht nüchtern sein. Beträgt der Blutzuckerwert mehr als 200 mg/dl, wird der Frauenarzt eine Nüchternmessung veranlassen. Von einem Schwangerschaftsdiabetes ist dann auszugehen, wenn die Nüchtern-Glukose bei der Zweitmessung zwischen 92 und 125 mg/dl beträgt. Der Arzt kann die Patientin jedoch auch direkt nüchtern einbestellen. Liegt das Ergebnis dann über 92 mg/d, muss trotzdem eine Zweitmessung erfolgen. Denn nur durch eine Vergleichsmessung kann ein Schwangerschaftsdiabetes zuverlässig bestimmt werden. Zeigt sich der Blutzuckerspiegel normal, wird der Arzt bei der Patientin noch einmal zwischen der 24. und 28. Woche das allgemeine Screening durchführen.

© TesaPhotography / Pixabay

Der Glukose-Suchtest im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge

Bei Patientinnen ohne Risikoprofil wird der Frauenarzt zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche einen Glukose-Suchtest durchführen. Ergibt sich hier ein Wert von mehr als 135 mg/dl, wird ein vollständiger oraler Glukose-Toleranztest (oGTT) veranlasst. Durch diesen Test ist dem Arzt möglich zu sehen, inwieweit der Körper eine vorgegebene Menge Glukose innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens abbaut. Die Patientin erhält auf nüchternen Magen eine Zuckerlösung zum Trinken. In bestimmten Zeitintervallen wird der Blutzuckerspiegel gemessen. Es ist von einem Schwangerschaftsdiabetes auszugehen, wenn mindestens zwei der vorgegebenen Grenzwerte überschritten werden:

  • Nüchterne Messung:  <92 mg/dl
  • 1. Messung nach 60 Minuten:  <180 mg/dl
  • 2. Messung nach 120 Minuten: <153 mg/dl

Die Therapie von Schwangerschaftsdiabetes

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, muss eine engmaschige Kontrolle der Blutzuckerwerte erfolgen, um die Gefahr für Mutter und Kind zu minimieren. Dem Frauenarzt stehen dabei verschiedene therapeutische Ansätze zur Verfügung. Ein gut eingestellter Gestationsdiabetes hat keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind.

Ernährungstherapie

In den meisten Fällen reicht es bei Schwangerschaftsdiabetes aus, wenn die werdende Mutter ihre Ernährung umstellt. Auch zusätzliche Bewegung in Form von Schwimmen oder ausgedehnten Spaziergängen kann hilfreich sein. Eine Diät sollten Schwangere nicht machen, da es sonst zu einer Unterversorgung des Kindes mit Nährstoffen kommen kann. Durch eine ausgewogene Ernährung ist es allerdings möglich, eine zu hohe Gewichtszunahme zu vermeiden. Schwangere sollten viel frisches Gemüse essen. Obst allerdings nur in Maßen, da der Fruchtzuckergehalt hoch ist und sich negativ auf den Insulinspiegel auswirken kann. Da am Morgen aufgrund der Insulinresistenz der Blutzuckergehalt am höchsten ist, empfehlen Diabetologen Schwangeren in diesem Fall ein eher eiweißhaltiges Frühstück mit Fruchtquark oder einem Omelett. Auch Eiweißbrot mit Käse ist möglich. Auf Zucker und Weißmehlprodukte sollte verzichtet werden, da diese Nahrungsmittel den Blutzuckerspiegel schnell nach oben treiben, aber auch genauso schnell wieder absinken lassen. Besser ist es, zu komplexen Kohlenhydraten wie in Vollkornprodukten zu greifen, die zudem viele gesunde Ballaststoffe beinhalten. Statt drei Mahlzeiten pro Tag sollten Schwangere mit Gestationsdiabetes besser auf vier bis fünf kleinere Portionen setzen. Das ermöglicht es, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Unter Umständen wird der Frauenarzt seine Patientin an einen Diabetologen weiter verweisen, der einen passenden Ernährungsplan erstellt.

Insulintherapie

Falls die Ernährungsumstellung nicht den gewünschten Effekt zeigt und die Blutzuckerwerte häufig überschritten werden, wird der Gynäkologe eine Insulintherapie veranlassen. Das ist in etwa bei jeder fünften Patientin der Fall. Es gibt mehrere, speziell auf Schwangere abgestimmte Insulinpräparate, die ein-bis zweimal pro Tag gespritzt werden und die einen Langzeiteffekt aufweisen. Zusätzlich zu den Mahlzeiten erfolgt die Gabe eines kurz wirkenden Insulinmedikaments. Die Behandlung ist in den meisten Fällen bis zur Geburt erforderlich, danach normalisieren sich die Werte der Mutter meist wieder von selbst. Die Kontrolle der Insulingaben muss regelmäßig erfolgen. Besonders im dritten Trimester kann eine zu hohe Dosierung eine gefährliche Unterzuckerung bewirken.

Warum Sie die Ketone regelmäßig überprüfen lassen sollten

Erhält der Körper zu wenig Kohlenhydrate, beginnt er, die Fettreserven abzubauen. Dabei werden sogenannte Ketonkörper frei. Bei zu wenig Glukose im Blut werden übermäßig viele Ketone freigesetzt. Es kann zu einem scharf riechendem Atem kommen, ähnlich dem Geruch von Nagellackentferner. Zudem lagern sich die Ketone im Organismus ein und sorgen für eine Übersäuerung. Wird hier nicht rechtzeitig gegengesteuert, kann es zu einem diabetischen Koma kommen. Anzeichen für eine derartige Komplikation sind Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen sowie ein ungewöhnlicher Mundgeruch. Ketone können mit speziellen Teststreifen im Urin nachgewiesen werden.

Komplikationen bei unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes

Unbehandelt kann ein Schwangerschaftsdiabetes zahlreiche, teils sehr gravierende Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind haben.

Komplikationen bei der Mutter

  • häufigere Neigung zu Harnwegsinfekten
  • Verschlechterung der Augen bei bereits bestehenden Netzhauterkrankungen
  • Erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie, Eklampsie und HELLP-Syndrom
  • erhöhtes Risiko, in einer Folgeschwangerschaft erneut an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken
  • schwierigere Geburt durch sehr großes und schweres Kind.
  • durch Übersäuerung hervorgerufenes diabetisches Koma

Komplikationen bei dem Neugeborenen

  • Störungen der Organreifung
  • Atemnotsyndrom durch Surfactantmangel, das für die Lungenreife benötigt wird.
  • deutlich erhöhter Bilirubinwert
  • zu großes und eingeschränkt leistungsfähiges Herz(Kardiomypathie)
  • niedrige Blutzuckerwerte direkt nach der Geburt(Hypoglykämie)
  • Muskelkrämpfe durch niedrigen Kalziumspiegel im Blut (Hypokalzämie in Verbindung mit Tetanie)
  • Cushingoides Erscheinungsbild mit Fettpolstern im Nacken, stark geröteter Haut, dichtem Haar sowie einem vollmondartigen Gesicht
  • höheres Risiko später im Leben Übergewicht und Diabetes zu entwickeln
  • erhöhte Sterblichkeitsrate
  • Risiko einer Frühgeburt

Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen

Die beste Vorsorge gegen Schwangerschaftsdiabetes ist eine gesunde Ernährung und die Reduktion von Übergewicht. Am besten fangen Sie mit der Ernährungsumstellung und einer Diät schon bei bestehendem Kinderwunsch an. Daneben sollten Sie regelmäßig die Vorsorgetermine bei Ihrem Frauenarzt wahrnehmen.

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