Rauchen in der Schwangerschaft

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Rauchen in der Schwangerschaft 2018-06-05T11:09:57+00:00

Rauchen in der Schwangerschaft – diese Wirkung haben Zigaretten auf das ungeborene Baby

Wie gefährlich Rauchen ist, weiß jeder. Prinzipiell ist der Mensch jedoch für seinen Körper selbst verantwortlich. In der Schwangerschaft ist das anders, denn da raucht das Ungeborene gezwungenermaßen mit. Rund 170.000 Kinder, die neun Monate lang dem Tabakkonsum ihrer Mütter ausgesetzt waren, erblicken jedes Jahr das Licht der Welt. Mit teilweise gravierenden Folgeschäden. Doch wie gefährlich ist Nikotin in der Schwangerschaft wirklich?

Nur die Hälfte der Raucherinnen hört in der Schwangerschaft auf

Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 25 und 40 Prozent der Frauen im gebährfähigen Alter Raucherinnen sind. Rund 30 Prozent von ihnen rauchen auch dann noch, wenn der Schwangerschaftstest bereits positiv ausgefallen ist. Im vierten Monat sind es noch 24 Prozent, die weiterhin zum Glimmstängel greifen und kurz vor der Geburt rauchen nach einer Studie der Universität Greifswald noch 21 Prozent. Das bedeutet, insgesamt schafft es nur die Hälfte der Raucherinnen, irgendwann während der Schwangerschaft die Zigaretten aufzugeben. Nach der Geburt wird ebenfalls schnell wieder ins alte Muster verfallen. Wie Studien aus den USA zeigen, sind ein halbes Jahr nach der Geburt wieder 50 Prozent der Frauen in alte Gewohnheiten zurückgefallen und nach einem Jahre 80 Prozent. Die meisten Schwangeren sind sich bewusst, wie schädlich der Griff zur Zigarette für das ungeborene Baby ist.

Nikotin und andere Schadstoffe gelangen unmittelbar in den kindlichen Blutkreislauf

Dreizehn Zigaretten pro Tag – das ist der Durchschnittswert für schwangere Raucherinnen. Wer bis zur Geburt nicht aufhört, hat das Baby damit 3640 Zigaretten mitrauchen lassen. Eine Problematik stellt auch das passive Rauchen dar. Denn in jedem zweiten Haushalt in Deutschland, in dem Kinder aufwachsen, greift mindestens ein Elternteil regelmäßig zur Zigarette. Die über 4000 teilweise hochgiftigen und krebserregenden Chemikalien, die nur eine Zigarette enthält, können sich auch beim Passivrauchen negativ auf das Ungeborene auswirken. Der Blutkreislauf von Mutter und Kind ist über die Nabelschnur untrennbar miteinander verbunden. So kommen die in Zigarettenrauch enthaltenen Schadstoffe, direkt in den kindlichen Blutkreislauf. Nikotin sorgt dafür, dass Nährstoffe und Sauerstoff deutlich schlechter aufgenommen werden. Das liegt zum einen daran, dass durch das Kohlenmonoxid in Zigarettenrauch der Sauerstoffgehalt im mütterlichen Blut verdrängt wird und das Kind somit geringer versorgt wird. Auf der anderen Seite verengt Nikotin in der Plazenta die Gefäße im Kapillarbereich, was ebenfalls die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen verhindert. Das Ungeborene scheidet Nikotin zum Teil in das Fruchtwasser aus. Dort sammelt es sich an, wodurch deutlich höhere Konzentrationen als im Mutterleib erreicht werden. Cyanide, Kadmium, Sulfide sowie die freien Radikale, die in Zigarettenrauch enthalten sind, schädigen das Ungeborene unmittelbar auf der zellulären Ebene.

Rauchen in der Schwangerschaft – das sind die Folgen für das ungeborene Kind

Wachstumsstörungen

Zehn Zigaretten pro Tag verringern das Geburtsgewicht um durchschnittlich 500 Gramm. Britische Forscher haben die Daten von 50.000 Schwangerschaften zwischen den Jahren 2002 und 2010 verglichen. Dabei bestätigte sich nicht nur das durchgehend niedrige Geburtsgewicht von Babys, deren Mütter rauchten. Es zeigte sich ebenfalls, dass Frauen, die nach dem positiven Schwangerschaftstest direkt mit dem Rauchen aufhören, Kinder gebären, deren Gewicht und Kopfumfang sich nicht wesentlich von dem der Babys von Nichtraucherinnen unterscheidet.

Fehlbildungen

Die Organe des Kindes sind noch im Wachstum begriffen. Auch das für die Entgiftung verantwortliche Enzymsystem ist nicht ausgereift. Daher können Ungeborene weniger effektiv entgiften als der Organismus eines Erwachsenen. Durch den Zigarettenrauch steigt das Risiko für Fehlbildungen massiv an. So verdoppelt sich das Risiko für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, wenn die Schwangere täglich zwischen ein bis zehn Zigaretten raucht.

Frühgeburt

Statistisch gesehen, kommt bei Raucherinnen jedes siebte Kind zu früh auf die Welt. 15 Prozent aller Frühgeburten sind ausschließlich auf Frauen zurückzuführen, die während der Schwangerschaft weiter zur Zigarette gegriffen haben.

Fehlgeburt, Totgeburt und Säuglingssterblichkeit

Schwangere, die mehr als 20 Zigaretten am Tag rauchen, haben ein doppelt so hohes Risiko einer Plazentaablösung. Gemäß einer Studie des Deutschen Krebsforschungsinstituts Heidelberg könnte ein Viertel aller Totgeburten vermieden werden, wenn Raucherinnen bis zur 16. Schwangerschaftswoche ihren Zigarettenkonsum stoppen. Auch das Risiko des plötzlichen Kindstodes wird so um 20 Prozent verringert.

Entwicklungsstörungen

Eine schlechte Versorgung mit Sauerstoff im Mutterleib kann zu einer Entwicklungsstörung führen. Statistisch gesehen treten Lernschwierigkeiten, Sprach- und Verhaltensstörungen bei Kindern von Raucherinnen häufiger auf. Eine aktuelle Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass es bedingt durch den Zigarettenkonsum zu pränatalen Hirnschädigungen kommt, wodurch die Kinder im Erwachsenenalter häufiger straffällig werden.

Allergien und Asthma

Kinder von Raucherinnen haben ein signifikant höheres Risiko, später an Asthma zu erkranken. Sie entwickeln auch häufiger Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Generell ist das Immunsystem betroffener Kinder schwächer, was ihr allgemeines Krankheitsrisiko erhöht.

Krebs

Kinder rauchender Mütter haben ein eineinhalbfach höheres Risiko, später an Krebs der oberen Luftwege und der Blase zu erkranken, sowie ein dreifach höheres für Nasenkrebs und ein rund 1,7-mal so hohes für Lungenkrebs.

Entzugserscheinungen bei Neugeborenen

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchen, kommen nikotinabhängig zur Welt. Eine Untersuchung der Brown Medical School in New York hat ergeben, dass die Entzugssymptome ähnlich intensiv sind wie die von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Heroin und Kokain konsumiert haben. Die ersten Entzugssymptome tauchten in der Studie 48 Stunden nach der Geburt auf, wenn die Mütter während der Schwangerschaft etwa sechs Zigaretten pro Tag geraucht hatten. Bei starken Raucherinnen litten die Kinder entsprechend früher daran. Der Nikotinentzug äußert sich beim Säugling durch Nervosität, schnelle Erregbarkeit, Zittern, Störungen des Magen-Darm-Traktes und einen erhöhten Blutdruck.

Das Beste ist ein radikaler Rauchstopp

Mit dem Rauchen aufzuhören ist in jeder Lebensphase eine Herausforderung. Empfehlenswert ist es, wenn der Zigarettenkonsum bereits in der Kinderwunschphase eingestellt wird. Spätestens in der Frühschwangerschaft sollte der radikale Rauchstopp erfolgen, denn dann sind die Komplikationen für Kind und Mutter noch einzudämmen. Jede Zigarette, die nicht geraucht wird, ist ein Gewinn für beide. Auf jeden Fall sollte eine drastische Reduktion des Tabakkonsums das Ziel sein, wobei E-Zigaretten für Schwangere keine Alternative darstellen. In Ausnahmefällen können unter ärztlicher Aufsicht Nikotinersatzpräparate wie Pflaster, Tabletten, Inhalatoren oder Spray zum Einsatz kommen. So gelangen zwar immer noch Schadstoffe zum Ungeborenen, doch Mediziner gehen davon aus, dass die Belastung bei diesen Ersatzprodukten insgesamt deutlich geringer ist.

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2656811/
https://academic.oup.com/toxsci/article/116/2/364/1646820

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