Eisenmangel in der Schwangerschaft

Eisenmangel in der Schwangerschaft 2018-05-15T12:13:12+00:00

Eisenmangel in der Schwangerschaft

Angesichts der gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind warnen Mediziner vor einem Eisenmangel in der Schwangerschaft. Klassische Symptome, wie Kreislaufprobleme, Konzentrationsmangel und andauernde Müdigkeit, sollten dabei sehr ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Erfahren Sie, woran Sie Eisenmangel in der Schwangerschaft erkennen, welche Folgen dies haben kann und was Sie dagegen unternehmen können.

Fleich und andere Lebensmittel decken den Eisenbedarf in der Schwangerschaft
© silviarita / Pixabay

Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft stark an

Allein aufgrund der monatlichen Regelblutung leiden viele Frauen oftmals unter Eisenmangel. In nicht wenigen Fällen liegt sogar eine Anämie vor, zumal dem Körper für die Blutbildung nicht das erforderliche Eisen zur Verfügung steht. Der Eisenmangel in der Schwangerschaft ist gemäß einer Studie von Dr. Wolf Kirschner, Leiter der Abteilung Evaluation und Forschungsplanung der FB+E GmbH Forschung, Beratung und Evaluation in Berlin, eines der ganz großen Probleme. Doch worauf ist das zurückzuführen und weshalb steigt der Bedarf an Eisen bei Schwangeren derart an? Grund hierfür ist das größere Blutvolumen der Mutter, welches für das heranwachsende Kind sowie für den Aufbau der Plazenta (Mutterkuchen) benötigt wird. Konkret muss der Körper einer schwangeren Frau ungefähr 30 bis 40 Prozent mehr Blut bilden, um eine angemessene Durchblutung sowie eine gesundes Entwicklung ihres Ungeborenen gewährleisten zu können. Dieser erhöhte Bedarf kann über veränderte Ernährungsgewohnheiten oder zusätzliche Nährstoffkomplexe ausgeglichen werden.

Wie hoch fällt der Bedarf konkret aus?

Wie es um Ihre Eisenversorgung in der Schwangerschaft steht, wird regelmäßig durch Ihren Frauenarzt kontrolliert. Hierzu misst er den Eisenwert im Blut, in Fachkreisen auch als Hb-(Hämoglobin-)Wert bekannt. Liegt dieser Wert unter 11 g je Deziliter Blut, so lautet die Diagnose auf eine Eisenmangel-Anämie. Auskunft über eine mögliche Anämie vermag auch die Zahl der roten Blutkörperchen zu liefern. Sind in einem Mikroliter Blut weniger als 3,9 Mio. dieser Zellen vorhanden, deutet dies auf einen Eisenmangel hin. Schließlich können ohne Eisen keine roten Blutkörperchen produziert werden, was den Sauerstofftransport negativ beeinträchtigt. Daneben gibt es weitere nützliche Parameter (z.B. Transferinrezeptor, Ferritin) bei der Diagnose einer Anämie. Diese steht für ungefähr 95 Prozent sämtlicher Anämien in der Schwangerschaft. Um den erhöhten Bedarf zu decken, sollten Sie je Tag 30 mg Eisen über die normale Ernährung zu sich nehmen, so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Nicht immer ist das jedoch so einfach. Umfassende Nährstoffkomplexe speziell für Schwangere, enthalten in der Regel ebenfalls ein ausreichendes Maß an Eisen und weiteren wichtigen Mineralien und Spurenelementen.

Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Eisen?

Eine ausgewogene Ernährung ist der beste Weg, um einem Eisenmangel in der Schwangerschaft vorzubeugen. Beachten Sie dabei, dass sich aus der Nahrung lediglich ca. 10 Prozent des Eisens auch tatsächlich verwerten lässt. Grundsätzlich geeignet ist mageres Fleisch, vorrangig Rindfleisch. Ernähren Sie sich vegetarisch, sollten Sie ganz besonders auf eine eisenreiche Nahrungsaufnahme achten. Reich an Eisen sind vor allem:

  • Hülsenfrüchte (1.303 ug Eisen/100 g)
  • Orangensaft (270 ug Eisen/100 g)
  • Kürbiskerne (4.892 ug Eisen/100 g)
  • Nüsse (1.813 ug Eisen/100 g)
  • Linsen (7.500 ug Eisen/100 g)
  • Sojabohnen (3.100 ug Eisen/100 g)
  • Fleisch (2.240 ug Eisen/100 g)
  • Weiße Bohnen (6.170 ug Eisen/100 g)
  • Erbsen (1.577 ug Eisen/100 g)
  • Hirse (6.900 ug Eisen/100 g)

Durch bestimmte Substanzen kann die reguläre Eisenaufnahme aber behindert werden. Hierunter fallen etwa Tannine in Schwarzem Tee und Kaffee, Alginate in Tütensuppen und Puddingpulver, Phytinsäure in Soja und Reis sowie Oxalsäure in Spinat und Rhabarber. Bei gleichzeitiger Aufnahme von Gemüse und Obst mit viel Vitamin C erhöht sich die Eisenaufnahme hingegen grundsätzlich.

Welche Symptome und Folgen drohen bei einem Eisenmangel in der Schwangerschaft?

Ein fortbestehender Eisenmangel führt letztlich zur Eisenmangelanämie. Für Betroffene geht diese symptomatisch spürbar mit Atmungsbeschwerden, Schwindel, Kreislauflabilität, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, eine erhöhte Infektionsanfälligkeit sowie andauernder Schwäche und Müdigkeit einher. Weitere Symptome können einreißende Mundwinkel, brüchige Nägel und Haare oder auch Ohrensausen sowie Herzklopfen sein. Eisenmangelzustände beeinträchtigen aber nicht nur das Befinden der Mutter, sondern wirken sich auch auf die Versorgung und Entwicklung des Fetus aus. Das Leben von Mutter und Kind sind gefährdet. Als Risikofolgen für die Schwangere gelten Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), Präeklampsie sowie eine erhöhte Gefährdung infolge des partalen Blutverlustes und durch das Kindbettfieber. Für den Fetus hingegen besteht das Risiko eine Wachstumsstörung wegen Plazentainsuffizienz sowie eines intrauterinen Kindstods. In der weiteren kindlichen Entwicklung drohen Verhaltensauffälligkeiten, emotionale Beeinträchtigung, motorische Entwicklungsstörungen sowie geistige Retardierung. Analysen der Kohortenstudien konnten belegen, dass eine Eisenanämie im ersten oder zweiten Schwangerschaftstrimester mit einem deutlich erhöhten Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht einhergeht.

Prävention und Therapie

Auch ohne Vorliegen von Eisenmangel verschreiben viele Frauenärzte routinemäßig Eisen, wie es nicht zuletzt auch die WHO als Prophylaxe empfiehlt. Daneben werden auch andere Nährstoffe, deren Bedarf in der Schwangerschaft besonders hoch ist, empfohlen. Gute Präparate für Schwangere enthalten alle wichtigen Nährstoffe, wie Folsäure, Eisen, Zink, Vitamine und andere wesentliche Mineralien und Spurenelemente. Eisen kann der Arzt bei Bedarf auch intravenös verabreichen, sodass die Magenpassage umgangen wird. Ansonsten ist auch eine orale Eisentherapie in Tabletten- oder Kapselform möglich. Ist bereits eine Eisenanämie vorhanden, wird versucht, die Blutbildung im mütterlichen Organismus mittels Erythropoietin (EPO) zu erhöhen. Ansonsten spielt die Ernährung als Prävention eine wichtige Rolle, wobei es schwer ist, den erhöhten Bedarf hierüber zu decken. So müssten Sie laut Privatdozent Dr. Peter Nielsen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf etwa 5.000 bis 8.000 kcal am Tag aufnehmen, um die benötigte Eisenmenge verfügbar zu machen.

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