Alkohol in der Schwangerschaft

Alkohol in der Schwangerschaft 2018-05-15T12:10:28+00:00

Alkohol in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft kann nicht nur zu den schönsten Zeiten oder Erfahrungen im Leben einer Frau gehören, sie verlangt auch einige Opfer. Für manche Frau zählt hierzu auch der Verzicht auf Alkohol. Das Glas Wein am Abend oder mit einem Glas Sekt anstoßen, ist jetzt nicht mehr ohne Weiteres möglich.

Alkohol, wie Wein, sind in der Schwangerschaft tabu
© Igor Normann / Fotolia

Wie wirkt Alkohol auf das Ungeborene?

Auf Alkohol zu verzichten fällt nicht jeder schwangeren Frau leicht. Aussagen wie: „Ab und zu ein Gläschen schadet nicht“, sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, auch ein kleines Glas Alkohol kann dem ungeborenen Kind Schaden zufügen. Wissenschaftler haben bis heute keinen Schwellenwert ermittelt, der unschädlich konsumiert werden kann.

Die Nabelschnur überträgt den konsumierten Alkohol direkt an das Kind, so dass dieses einen ebenso hohen Blutalkoholgehalt hat wie die Mutter. Ein erwachsener Mensch baut Alkohol recht schnell wieder ab. Für den Fötus bestehen hier allerdings Schwierigkeiten. Das Nervengift Alkohol greift die Nervenzellen an, die sich beim Ungeborenen noch im Wachstum befinden. Das Baby hat somit nicht nur einen Rausch, sondern läuft sogar Gefahr ernste Schäden davonzutragen.

Welche Folgen kann Alkohol in der Schwangerschaft haben?

Wird Alkohol in der Schwangerschaft konsumiert, besteht größte Gefahr, dass das betroffene Kind lebenslange Folgen davontragen kann. Hierzu zählen beispielsweise neurologische Störungen oder organische und körperliche Fehlbildungen

Einige Beispiele:

  • Minderwuchs und Untergewicht
  • Kleinköpfigkeit
  • Anomalien im Gesicht / Gesichtsveränderungen, wie nicht ausgeformte Ohren, wenig ausgeformte Mittelrinne zwischen Nase und Oberlippe
  • Fehlbildungen an allen Organen
  • Körperliche Fehlbildungen, beispielsweise an Wirbelsäule oder Extremitäten
  • Neurologische Störungen, wie geistige Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungsstörungen, Sprach-, Hör-, Ess- oder Schluckstörungen, Konzentrations- und Lernschwäche, Verhaltensstörungen
  • Risiko einer auch späten Fehlgeburt
  • Risiko einer Frühgeburt

Ab welcher Menge schädigt Alkohol?

Bereits kleine Mengen können dem ungeborenen Kind schaden. Seine Nährstoffe erhält der Fötus über die Plazenta, welche es untrennbar mit der Mutter verbindet. Jeglicher Alkoholkonsum verbreitet sich auch in diesen Bereich und überträgt sich auf das Kind. Auch wenn ein einzelnes Glas Sekt sicher nicht so schlimm ist wie mehrere Cocktails oder einige Flaschen Bier, sollten Sie dem Baby zuliebe darauf verzichten.

Was sind die bekanntesten Auswirkungen von Alkohol aufs Baby?

Je mehr Alkohol, desto größer die Gefahr für das Ungeborene. Das schlimmste Szenario ist ein sogenanntes, fetales Alkoholsyndrom, kurz FAS. Es entwickeln sich körperliche Fehlbildungen und Verhaltensstörungen, die nur in wenigen Fällen linderbar oder gar heilbar sind. FAS tritt sehr oft bei Kindern alkoholkranker Mütter auf, die große Mengen Alkohol während der Schwangerschaft konsumieren.

Doch auch wenn es nicht zum Worst Case kommt, können die Folgen für das Ungeborene gravierend sein. Die sogenannten Alkoholeffekte werden nicht immer schon bei der Geburt deutlich, oft treten Symptome erst im Verlauf der Kindheit auf. Dies trifft insbesondere auf psychische Veränderungen zu. Manche Kinder entwickeln sich mit deutlichen Verzögerungen, die sowohl den intellektuellen Bereich, als auch die Motorik betreffen. Nicht immer lassen sich diese Defizite durch ärztliche Intervention ausgleichen und beeinträchtigen die betroffenen Kinder lebenslänglich.

Das fetale Alkoholsyndrom (FAS)

Das fetale Alkoholsyndrom ist eine anerkannte Krankheit, die bei rund 10.000 geborenen Kindern pro Jahr auftritt. Die Kinder kommen bereits mit dem Syndrom zur Welt. Bei der Geburt sind nicht immer alle Anzeichen zu erkennen, lediglich optische Veränderungen sind sofort sichtbar. Hierzu gehören beispielsweise Missbildungen und Deformationen im Gesicht, die operativ kaum behandelt werden können. Viele FAS-Kinder haben zudem ein sehr geringes Geburtsgewicht.

Die gefährlichsten, körperlichen Symptome des FAS sind Organschäden zu denen ein Ventrikelseptumdefekt (Herzfehler) gehört. Auch eine Aortenisthmusstenose, eine Fallot-Tetralogie oder ein persistierendes Foramen gehört zu den gängigen Anzeichen.

Auch im Verhalten bilden sich mitunter starke Anzeichen des fetalen Alkoholsyndroms aus. Gängig sind Unruhezustände bis hin zu kontinuierlichem Schreien beim Säugling, sowie ein hohes Aggressionspotential und starke Reizbarkeit. Betroffene Kinder haben oft nur einen schwach ausgeprägten Saugreflex und reagieren nicht auf die mütterliche Brust oder die angebotene Flasche. Im späteren Alter zeigen sich Schwierigkeiten beim Lernen und eine generell eingeschränkte Intelligenz. Ebenso sind Konzentrationsprobleme beim FAS sehr häufig.

Probleme mit der Alkoholabstinenz

Es gibt Frauen, denen der vollständige Verzicht auf Alkohol schwerfällt. In diesen Fällen können Suchtberatungsstellen helfen. Laut Berliner Charite sind es immerhin 58 Prozent aller Frauen, die trotz Schwangerschaft hin und wieder ein Glas Wein trinken. Von Gynäkologen und Experten wird jedoch dringend abgeraten und der Nullkonsum empfohlen. Am wichtigsten ist das während des ersten Schwangerschaftstrimesters, da das Fehlgeburtenrisiko zu dieser Zeit am höchsten ist. Riskant sind Ausnahmen jedoch auch nach dieser Zeit.

Trinken trotz Schwangerschaft

Ist man nicht bereit gänzlich auf Alkohol zu verzichten, sollten zumindest einige Spielregeln eingehalten werden. Damit ist ein Vollrausch während der Schwangerschaft absolut tabu. Darüber hinaus sollte man keinesfalls mehr als eine sogenannte Alkoholeinheit zu sich nehmen. Dies entspricht einer Trinkmenge von 125 ml Wein oder 1/8 Liter Starkbier.

Die Lust auf Alkohol ist oft nur, die Lust an geliebten Ritualen festzuhalten. Das Glas Wein mit dem Partner am Wochenende, das Bier nach dem Essen. Rituale lassen sich umstellen und verändern, ohne dabei verzichten zu müssen. Heute gibt es zahlreiche, alkoholfreie Getränke, die sich in Punkto Geschmack nur wenig von den Originalen unterscheiden.

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