Checkliste Formalitäten nach der Geburt

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Checkliste Formalitäten nach der Geburt 2018-10-18T10:39:57+00:00

Checkliste: Diese Formalitäten müssen Sie rund um die Geburt erledigen

Wenn ein Kind zur Welt kommt, bedeutet das für die Eltern auch einen bürokratischen Hürdenlauf. Denn jede Menge Anträge sind auszufüllen und Ämter aufzusuchen. Dabei dürfen für bestimmte Dinge Fristen nicht aus den Augen verloren werden. Ein Wegweiser durch den Papierkramdschungel.

Formalitäten nach der Geburt



Finanzielle Hilfen in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft bringt viele finanzielle Belastungen mit sich. Nicht immer sind Frauen in der Lage, diese Kosten alleine zu bestreiten.

Diese Hilfen gibt es:

  • Schwangere mit Anspruch auf Arbeitslosengeld II erhalten auf persönlichen Antrag bei der Arbeitsagentur (Jobcenter) ab der 13. Schwangerschaftswoche bis einschließlich des Tages der Entbindung einen Mehrbedarf von 17 Prozent des Regelsatzes.

  • Beim Jobcenter kann zudem persönlich ein Antrag auf einmalige Beihilfen für die Erstlingsausstattung, Umstandskleidung sowie Kinderbett und Kinderwagen gestellt werden.

  • Anträge auf einmalige Beihilfe für schwangerschaftsbedingte Anschaffungen sowie Babyausstattung können auch Geringverdienerinnen ohne Anspruch auf ALG II gegen Nachweis ihrer Einkünfte beim Jobcenter stellen.

  • Die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ stellt ebenfalls Mittel zur Verfügung für Anschaffung und Mehrbedarf, der rund um Schwangerschaft, Geburt sowie Erziehung und Pflege des Kindes entsteht. Das Antragsverfahren läuft über lokale Schwangerschaftsberatungsstellen.




Elternzeit

Der Arbeitgeber muss schriftlich spätestens sieben Wochen vor Beginn der geplanten Elternzeit Bescheid erhalten. In dem Schreiben teilen Sie die Eckdaten und Gestaltungswünsche der ersten 24 Monate Elternzeit mit. Wünschen Sie, Teilzeit zu arbeiten, nennen Sie die anvisierte Stundenzahl und bevorzugte Arbeitszeiten.




Mutterschaftsgeld

Der Gesetzgeber schützt Schwangere und junge Mütter. Dafür existieren spezielle Mutterschutzvorschriften vor und nach der Entbindung, die Kündigungsschutz, Freistellung für Untersuchungen sowie Stillzeiten einschließen. In gewissen Berufen gelten zudem gegen Vorlage eines ärztlichen Attests Beschäftigungsverbote. Sechs Wochen vor der Geburt und acht Wochen danach müssen Frauen nicht arbeiten. Während dieser Zeit erhalten Frauen Mutterschaftsgeld, das von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wird. Der Arbeitgeber steuert einen Zuschuss bei. Seit 2018 sind auch Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen in dieses System eingeschlossen.

  • Angestellte: Die Höhe des Mutterschaftsgeldes orientiert sich am Gehalt der letzten drei Monate vor Beginn des Mutterschutzes

  • Angestellte, die privat versichert sind, erhalten einmalig 210 Euro vom Bundesversicherungsamt plus den Arbeitgeberzuschuss abzüglich der 13 Euro pro Tag, den die gesetzlichen Krankenkassen zahlen.

  • An selbständige Frauen mit privater Krankenversicherung wird nur Mutterschaftsgeld gezahlt, wenn eine private Krankentagegeldversicherung besteht. Freiwillig gesetzliche versicherte Selbständige mit Anspruch auf Krankengeld müssen bis zum 42. Tag vor dem errechneten Geburtstermin eine Wahlerklärung bei der Krankenkasse abgeben. Das ausgezahlte Krankengeld beträgt in diesem Fall rund 70 % des Nettolohns.

  • Bei geringfügiger Beschäftigung muss der Arbeitgeber die Differenz bezuschussen, sofern der Verdienst mehr als 390 Euro beträgt.

  • Frauen, die über den Ehemann familienversichert sind und geringfügig Beschäftigte mit Familienversicherung erhalten einmalig die 210 Euro des Bundesversicherungsamtes.

  • Bei Bezug von ALG I übernimmt die Krankenkasse die Zahlung in Höhe des Arbeitslosengeldes.





Das Mutterschaftsgeld können Sie schon zu Beginn der Schwangerschaft beantragen. Lassen Sie sich aufgrund der Dienstwege nicht zu viel Zeit.

So gehen Sie vor:

  • Der Arzt muss ein Zeugnis über den voraussichtlichen Entbindungstermin in zweifacher Ausfertigung für Krankenkasse und Arbeitgeber ausstellen.

  • Dieses Dokument muss von Ihnen mit Angabe der Bankverbindung und Unterschrift vervollständigt werden.

  • Sie senden die Dokumente an Ihre Krankenkasse, der sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzt. Sie erhalten eine Erklärung über Zahlung des Mutterschaftsgeldes.

  • Nach der Geburt schicken Sie eine dafür speziell vorgesehene Geburtsurkunde Ihres Babys und die Erklärung an die Krankenkasse zurück.

  • Haben Sie nur Anspruch auf die Zahlung des Bundesversicherungsamtes, können Sie den Antrag online stellen: https://www.bundesversicherungsamt.de/mutterschaftsgeld.html





Vaterschaftsanerkennung

Das Bürgerliche Gesetzbuch gibt klare Richtlinien vor. Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist, die Vaterschaft anerkannt hat oder bei dem sie durch ein gerichtliches Verfahren festgestellt wurde. Bei Paaren, die nicht miteinander verheiratet sind, kann der Mann die Vaterschaft während der Schwangerschaft oder danach zu jedem beliebigen Zeitpunkt anerkennen lassen. Das geht gegen Gebühr beim Notar oder kostenlos beim Standesamt, Jugendamt oder Amtsgericht.

Benötigt werden die folgenden Unterlagen:

  • Geburtsurkunde oder beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch des Mannes

  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass beider Elternteile

  • Mutterpass





Das Sorgerecht bei unverheirateten Paaren

Sind die Eltern nicht verheiratet, obliegt das Sorgerecht automatisch der Mutter des Kindes. Die Sorgerechtserklärung kann vor oder nach der Geburt beim Jugendamt oder kostenpflichtig bei einem Notar abgegeben und öffentlich beurkundet werden. Voraussetzung ist eine vorherige Anerkennung der Vaterschaft.

Diese Unterlagen werden benötigt:

  • Urkunde über die Anerkennung der Vaterschaft

  • gültige Personalausweis oder Reisepass beider Elternteile

  • Geburtsurkunde des Kindes bei nachgeburtlicher Sorgerechtserklärung

  • Mutterpass bei Erklärung vor der Geburt

Unter Umständen werden weitere Unterlagen verlangt. Ein Anruf beim Jugendamt zuvor verschafft Ihnen Klarheit.





Krankenversicherung für das Baby

Für die ersten Untersuchungen ist das Neugeborene noch über die Mutter versichert, doch sollte möglichst schnell die Aufnahme des Kindes in die Familienversicherung erfolgen. Für die Krankenkasse gibt es ebenfalls eine spezielle Ausfertigung der Geburtsurkunde, die mit den anderen Geburtsurkunden zusammen vom Standesamt kommt. Diese wird zusammen mit dem ausgefüllten Antrag bei der gesetzlichen Krankenkasse abgegeben. Kurz danach erhält das Baby eine eigene Versichertenkarte, jedoch ohne Foto. Sollte bis zur Ausstellung der Karte ein Kinderarztbesuch notwendig werden, können Sie die Krankenkasse um einen Behandlungsschein bitten. Ein Antrag für Kinder, die privat versichert werden sollen, kann bis zu zwei Monate nach der Geburt gestellt werden. Die Versicherung wird rückwirkend eingerichtet. Ein Sonderfall tritt ein, wenn ein Elternteil privat versichert ist und der andere in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hat das privat versicherte Elternteil ein höheres Einkommen als das gesetzlich versicherte Elternteil, kann das Kind nicht in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen werden. In diesem Fall muss das Baby privat krankenversichert werden.

Notwendige Unterlagen:

  • Antragsformular für die Familienversicherung

  • Geburtsurkunde in der Ausfertigung für die Krankenkasse





Einwohnermeldeamt

Nicht in jeder Stadt werden automatisch Geburtsanzeigen ans Einwohnermeldeamt übermittelt. Nach Erhalt der Geburtsurkunde sollte daher der Gang dorthin erfolgen, um das Kind anzumelden.





Kinderreisepass

Auf dem Einwohnermeldeamt kann gleichzeitig für den nächsten Urlaub der Kinderreisepass beantragt werden.

Nötig hierfür sind:

  • Geburtsurkunde

  • Biometrisches Passfoto des Kindes





Geburtsurkunde

Große Kliniken haben ein eigenes Büro für Geburtsanzeigen. Alternativ kann eine Geburtsbescheinigung ausgestellt werden. Mit dieser Bescheinigung sollten Sie innerhalb der ersten Woche nach der Geburt zum Standesamt gehen. Neben Bargeld für die Zahlung der Kopien sind folgende Unterlagen notwendig:

Bei verheirateten Paaren

  • Geburtsanzeige oder Geburtsbescheinigung

  • Ausweispapiere beider Elternteile

  • Stammbuch der Familie, falls vorhanden

  • Geburtsurkunde der Eltern und weiterer Kinder

  • Heiratsurkunde der Eltern

Bei unverheirateten Paaren

  • Ausweispapiere der Eltern

  • Geburtsurkunden beider Elternteile

  • Falls einer oder beide geschieden sind: Eheurkunde der Vorehe und Scheidungsurteil

  • Vaterschaftsanerkennung

  • Sorgerechtserklärung

  • Zustimmung der Mutter des Kindes

Wenn ein oder beide Eltern eine ausländische Staatsangehörigkeit haben

  • Reisepass mit gültigem Aufenthaltstitel, Einreisevisum oder Aufenthaltskarte

  • Beglaubigte Übersetzungen der Ehe- und Geburtsurkunden des Elternteils oder beider Eltern

Die fertigen Urkunden können entweder auf dem Standesamt abgeholt werden oder die Eltern erhalten diese auf dem Postweg.





Elterngeld

Jedes Bundesland hat seine eigene Elterngeldstelle. Die Adressen finden Sie hier www.bmfsfj.de. Da Elterngeld nur drei Monate rückwirkend gezahlt wird, ist der Antrag bald nach der Geburt zu stellen.

Benötigt werden die folgenden Unterlagen:

  • Antragsformular

  • Geburtsurkunde in der Ausfertigung für die Elterngeldstelle

  • Bescheinigung A der Krankenkasse

  • Bescheinigung B des Arbeitgebers

  • Gültiges Ausweisdokument

  • Vordruck „Erklärung zum Einkommen“

  • Steuerbescheide beider Elternteile aus dem Jahr vor der Geburt des Kindes

  • Gehaltsnachweise der letzten 14 Monate

Bei Freiberuflern und Selbständigen können abweichende Unterlagen verlangt werden, ebenso bei Personen, die lediglich das Basiselterngeld beziehen.





Kindergeld

Kindergeld wird bei der zuständigen Familienkasse beantragt. Das Standesamt fertigt hierfür eine eigene Version der Geburtsurkunde an, die mit den anderen Exemplaren der Geburtsurkunde übergeben wird. Familien erhalten für die ersten beiden Kinder jeweils 194 Euro Kindergeld monatlich, für das dritte Kind gibt es 200 Euro im Monat und ab dem vierten 225 Euro. Die Bearbeitung des Antrages dauert zwischen vier und sechs Wochen, der Betrag wird jedoch rückwirkend ausgezahlt. Während früher das Kindergeld rückwirkend vier Jahre lang gezahlt wurde, wurde diese Frist 2018 auf sechs Monate heruntergesetzt. Zwar kann immer noch für einen Drei- oder Vierjährigen ein Kindergeldanspruch geltend gemacht werden, doch erfolgt die Auszahlung dann nur noch rückwirkend für die letzten sechs Monate.

Diese Unterlagen werden benötigt:

  • Antrag auf Kindergeld

  • Ausfertigung der Geburtsurkunde für die Familienkasse

  • Steuer-ID von Eltern und Kind – kommt nach der Geburt per Post





Wohngeld

Wenn die Familie sich vergrößert, aber das Gehalt für eine neue Wohnung nicht ausreicht, kann bei der Wohngeldstelle ein Mietzuschuss beantragt werden.

Diese Unterlagen sind mitzubringen:

  • Mietvertrag und Mietquittung

  • Mietbescheinigung des Vermieters

  • Verdienstbescheinigung

  • Einkommensnachweise

  • Ausweispapiere

  • eventuell weitere Papiere



Zusätzliche Tipps

Die meisten Anträge können Sie schon vor der Geburt vorbereiten. Nutzen Sie bequem die entsprechenden Vordrucke aus dem Internet. Legen Sie alles griffbereit in separate Umschläge und fügen Sie später nur noch die Geburtsurkunde hinzu. Das spart Ihnen wertvolle Zeit, die Sie für Ihr Baby nutzen können.