Verhütung bei Multiple Sklerose

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Verhütung bei Multiple Sklerose

Verhütung bei Multiple Sklerose: mögliche Verhütungsmethoden

Auch wenn Multiple Sklerose Auswirkungen auf die Sexualität hat, so schränkt die Krankheit die Fruchtbarkeit jedoch nicht ein. Daher müssen entsprechende Mittel und Methoden zur Verhütung verwendet werden – sofern (noch) kein Kinderwunsch besteht. Doch welche Verhütungsmittel eignen sich bei MS und welche könnten einen ungünstigen Einfluss auf die Krankheit haben?

 

Kondom auf der Hand / Verhütung

© sasint / Pixabay

Inhaltsverzeichnis

Hormonelle Verhütungsmittel bei Multiple Sklerose
Barriereverhütungsmittel als Verhütung bei MS
Natürliche Verhütungsmethoden bei Multipler Sklerose
Vasektomie und Sterilisation bei Multipler Sklerose

 

Mögliche Verhütungsmethoden

Menschen, die unter Multipler Sklerose leiden, stehen generell alle erhältlichen Verhütungsmittel und -methoden zur Verfügung. Bei diesen handelt es sich um:

  • Kondome
  • Orale Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille“)
  • Hormonspritzen
  • Hormonpflaster
  • Hormonimplantat
  • Vaginalring
  • Diaphragma
  • Portiokappe
  • Spirale: Hormon- und Kupferspirale
  • Zeitwahlmethode
  • Vasektomie und Sterilisation

Hormonelle Verhütungsmittel bei Multiple Sklerose

Zu den hormonellen Verhütungsmitteln gehören unter anderem:

Orale Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille“):
Die „Anti-Baby-Pille“ wird in verschiedenen Variationen und Stärken angeboten. Sie kann von Frauen mit Multipler Sklerose eingenommen werden und weist bei ihnen dieselben potenziellen Nebenwirkungen und Risiken auf, wie bei anderen Frauen. Darunter beispielsweise ein erhöhtes Thromboserisiko bei Raucherinnen. Es sollte jedoch beachtet werden, dass einige Medikamente die Wirksamkeit der Pille reduzieren können. Daher sollte die Einnahme zur Verhütung nur dann erfolgen, wenn solche
Wechselwirkungen ausgeschlossen sind.

Hormonspritzen:
Ähnlich der „Anti-Baby-Pille“ wird der Eisprung auch durch Hormonspritzen beziehungsweise Dreimonatsspritzen unterdrückt. Der Vorteil hieran ist, dass nicht täglich eine Pille eingenommen werden muss.

Hormonpflaster:
Hormonpflaster geben ihren Wirkstoff kontinuierlich ab und werden auf die Haut geklebt. Die Hormone werden über die Haut aufgenommen. Das Pflaster wird einmal wöchentlich erneuert und durchgängig getragen. Die Sicherheit ist ebenso wie bei der Pille hoch. Bei Durchfall oder Erbrechen zeigen sich die Hormonpflaster sogar sicherer.

Hormonimplantat:
Bei einem Hormonimplantat handelt es sich um eine Art kleines Stäbchen, dass direkt unter die Haut im Oberarm implantiert wird. Es gibt über einen Zeitraum von drei Jahren Hormone ab und gehört damit zur Langzeitverhütung. Aufgrund des langen Zeitraums sollte also ganz sicher sein, dass kein Kinderwunsch besteht. Der Vorteil an diesem Verhütungsmittel ist, dass es nicht zu Anwendungsfehlern kommen kann. Dennoch ist es als Mittel bei Multipler Sklerose nur bedingt empfehlenswert, da die Wirksamkeit bei einer Änderung der MS-Medikation eingeschränkt werden könnte.

Vaginalring oder Verhütungsring:
Ein Vaginal- beziehungsweise Verhütungsring wird in die Scheide eingefügt und verbleibt hier für drei Wochen. Danach erfolgt eine Woche Pause. Die Hormone werden direkt über die Schleimhaut aufgenommen. Die Sicherheit ist mit einem Pearl-Index von 9 vergleichsweise gering, da 90 von 1.000 Frauen trotz Hormonring schwanger werden.

Hormonspirale:
Die Hormonspirale wird in den Uterus eingesetzt und gibt hier aus einem Depot Hormone ab. Die Wirkdauer beträgt je nach Modell drei bis fünf Jahre. Das Hormon wirkt lokal und unterdrückt den Eisprung nicht, verändert jedoch die Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut. Regelmäßige Ultraschallkontrollen sind erforderlich, um die richtige Lage zu überprüfen. Die Sicherheit ist sehr hoch und es kann nicht zu Anwendungsfehlern kommen.

Kupferspirale:
Die Kupferspirale besteht aus einem mit Kupferdraht umwickelten Körper. Sie wird für bis zu 3, 5 Jahre oder 10 Jahre in die Gebärmutter eingesetzt und funktioniert über eine nicht-bakterielle Entzündungsreaktion in der Gebärmutter. Dabei werden der Hormonhaushalt und Eisprung nicht beeinflusst. Mit einem Pearl Index von 3 gilt die Kupferspirale als sicheres Verhütungsmittel.

Das grundlegende Problem bei allen hormonellen Verhütungsmitteln und Multipler Sklerose ist, dass es bei der gleichzeitigen Einnahme von anderen Medikamenten zu einer geringeren Sicherheit kommen kann. Nach aktuellem Erkenntnisstand hat die Einnahme beziehungsweise Anwendung von Hormonpräparaten jedoch keinen ungünstigen Einfluss auf den Verlauf der MS. Grundsätzlich sollte natürlich eine ausführliche ärztliche Beratung erfolgen, bevor ein derartiges Verhütungsmittel angewendet wird.

Barriereverhütungsmittel als Verhütung bei MS

Bei den sogenannten Barriereverhütungsmitteln handelt es sich um Mittel, die das Eindringen von Sperma und somit eine Befruchtung verhindern. Bei den Mitteln handelt es sich um:

Kondome:
Kondome sind kostengünstig, einfach in der Anwendung und sicher. Vor allem bei neuen Geschlechtspartnern sollten sie in jedem Fall verwendet werden, um nicht nur eine Schwangerschaft, sondern auch die Übertragung von Geschlechtskrankheiten zu vermeiden.

Diaphragma:
Das Diaphragma wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingesetzt und fungiert als Barriere. Es wird zusätzlich mit einem Spermizid versehen, um die Sicherheit zu erhöhen. Wie sicher das Diaphragma ist, hängt unter anderem davon ab, wie gut es sitzt und ob es richtig eingeführt wurde.

Portiokappe:
Ähnlich dem Diaphragma handelt es sich auch hierbei um eine Kappe, die vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt und über den Muttermund gestülpt wird. Die Kappe besteht aus Silikon und das Einführen muss zunächst unter Aufsicht des Frauenarztes geübt werden. Wiederum hängt die Sicherheit davon ab, ob die Kappe richtig eingesetzt wird.

Der Vorteil an den Barriereverhütungsmethoden ist, dass sie nicht in den Hormonhaushalt eingreifen und daher auch keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweisen können. Zudem werden sie nur dann verwendet, wenn sie benötigt werden. Aufgrund der notwendigen Vorbereitung werden sie jedoch auch häufig als störend empfunden.

Natürliche Verhütungsmethoden bei Multipler Sklerose

Zu den natürlichen Verhütungsmethoden gehören unter anderem die Zeitwahlmethode und die Temperaturmethode. Bei der Zeitwahlmethode wird zunächst die Länge des Zyklus gemessen und darauf basierend werden die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage bestimmt. Ungeschützter Geschlechtsverkehr findet nur an unfruchtbaren Tagen statt. An fruchtbaren Tagen wird entweder auf Sex verzichtet oder eine andere Verhütungsform, wie beispielsweise Kondome, gewählt.

Bei der Temperaturmethode wird die Basaltemperatur gemessen und dokumentiert. Während der unsicheren Tage und des Eisprungs sinkt die Temperatur zunächst und steigt dann wieder an. Durch das Messen können die fruchtbaren Tage bestimmt werden. Beide Methoden sind für Frauen mit Multipler Sklerose jedoch wenig empfehlenswert, da es durch die Krankheit zu Schwankungen im Zyklus kommen kann. Daher ist nur ein geringes Maß an Verhütungssicherheit gegeben.

Vasektomie und Sterilisation bei Multipler Sklerose

Wenn kein Kinderwunsch besteht oder die Familienplanung sicher abgeschlossen ist, können Vasektomie und Sterilisation sichere Verhütungsmethoden darstellen. Die Samenleiter beziehungsweise Eileiter werden durchtrennt, sodass bei Frauen kein Ei mehr befruchtet werden und die Spermien nicht mehr bei der Ejakulation abgegeben werden können.

Da es sich um chirurgische Eingriffe handelt, besteht jedoch ein gewisses Risiko für Komplikationen. Zudem können die Eingriffe nicht in jedem Fall rückgängig gemacht werden, wenn doch noch ein Kind gezeugt werden soll.

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Definitionen:
Der Pearl-Index ist ein Maß für die Wirksamkeit bzw. Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung.
Während des Schlafens stellt sich im Körperkern ein Temperaturminimum ein (die Basis), das Basaltemperatur genannt wird. In der Praxis wird die Aufwachtemperatur als Körperkerntemperatur oftmals als Basaltemperatur bezeichnet.

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2019-08-26T08:19:53+00:00