Partnerschaft und Sexualität bei Multiple Sklerose

//Partnerschaft und Sexualität bei Multiple Sklerose

Partnerschaft und Sexualität bei Multiple Sklerose

Partnerschaft und Sexualität bei Multiple Sklerose (MS)

In jeder Paarbeziehung spielt Sexualität eine wichtige Rolle. Für an Multiple Sklerose (MS) erkrankte Frauen und ihren Partner ist es schwierig, die Freude am intimen Zusammensein zu bewahren. Sexualprobleme bei MS können dabei sowohl physische als auch psychische Ursachen haben. Neben der Arbeit an einer vertrauensvollen Partnerschaft gibt es zum Glück Hilfe bei einigen Beschwerden, die Ihr Liebesleben verbessern.

 

Paar auf der Wiese

© StarFlames / Pixabay

Inhaltsverzeichnis

Viele MS-Symptome wirken sich auf das Sexualleben aus
MS und Sexualität – die verschiedenen Ebenen von Sexualstörungen
Gemeinsam als Paar sexuelle Probleme bei MS bewältigen
Therapie bei durch MS hervorgerufenen Sexualstörungen

 

Viele MS-Symptome wirken sich auf das Sexualleben aus

Bei Multiple Sklerose handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die meisten Menschen erkranken im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren, doch auch Kinder und ältere Menschen können von MS betroffen sein. Frauen leiden dreimal so häufig an MS wie Männer, was in diesem Alter etliche Herausforderungen an Partnerschaft und Familienplanung stellt.
Bei der Multiplen Sklerose gibt es zwei verschiedene Verlaufsarten. 75 % der Patienten leiden an einer MS mit schubförmigem Verlauf. Dabei entwickeln sich neue Symptome innerhalb von 24 Stunden oder bereits vorhandene Beschwerden verschlimmern sich. Bei den übrigen 25 % der Erkrankten schreitet die MS von Beginn an kontinuierlich fort. Die Krankheit zeigt sich mit vielfältigen Symptomen: Kraft, Gleichgewicht, Spüren und die Sehfähigkeit können betroffen sein, seltener haben Patienten Probleme beim Sprechen. Viele Betroffene klagen über einseitige Gesichtsschmerzen. Im Verlauf der Krankheit können Denkvermögen und Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Symptome schlagen sich automatisch auf die Stimmung nieder, was zu Depressionen führen kann. Diese sind genauso herausfordernd für die Betroffenen und ihre Partnerschaft wie die reduzierte, Fatigue genannte Belastbarkeit als Folge von MS. Körperliche Anstrengungen, zu denen auch das Sexualleben zählt, führen schnell zur Ermüdung. Je nach vorhandenen Entzündungsherden und ihrer Lokalisation können als Folge von MS Sexualität sowie Blasenfunktion eingeschränkt sein.

MS und Sexualität – die verschiedenen Ebenen von Sexualstörungen

Bis zu 60 % der an MS erkrankten Frauen leiden unter Sexualproblemen. Das Auftreten der Beschwerden ist dabei individuell unterschiedlich. Manche Frauen haben schon von Beginn der Krankheit an Sexualstörungen, bei anderen entwickeln sich die Probleme über die Jahre. Grundsätzlich machen sich Sexualprobleme bei MS auf drei verschiedenen Ebenen bemerkbar:

Primäre Sexualstörungen bei MS

Probleme im Intimleben treten in Zusammenhang mit der krankheitsbedingten neurologischen Schädigung auf. Auch im Zusammenhang mit verabreichten Medikamenten können Sexualstörungen bei Multipler Sklerose beobachtet werden. Darunter fallen:

  • Erregungsstörungen
  • Lustlosigkeit
  • Störungen der Lubrikation
  • Orgasmusschwierigkeiten

Sekundäre Sexualstörungen bei MS

In diesen Bereich fallen Folgeerkrankungen und typische MS-Symptome, aus denen sich eine Einschränkung des Sexuallebens ergibt. Dazu zählen:

Tertiäre Sexualstörungen bei MS

Die Krankheit hat auch Folgen auf die Psyche. Verbreitet sind Depressionen, innere Unruhe, Anspannungen, die chronische Müdigkeit sowie Angststörungen, die aus der Unheilbarkeit der Krankheit resultieren. Diese Probleme erschweren es, in den für eine erfüllte Sexualität so wichtigen Zustand der Entspannung zu kommen. Nicht zuletzt, weil die mit Multiple Sklerose verbundenen Behinderungen zu einer Veränderung der körperlichen Wahrnehmung führen. Betroffene fühlen sich nicht mehr attraktiv und begehrenswert. Die Erkrankung hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf den Patienten selbst, sondern auch auf den Partner und somit die gesamte Beziehung. Der ist nicht nur in Sorge, sondern muss auch mit veränderten Rollen in der Partnerschaft klarkommen. Einstmals starke Frauen und Männer werden durch MS zu einem schutzbedürftigen und bei fortschreitender Krankheit pflegebedürftigen Menschen. Dabei gilt: Den einen Grund für Sexualstörungen bei MS gibt es nicht, es handelt sich dabei immer um eine Mischung aus physischen und psychischen Herausforderungen.

 

Mehr zum Thema Depression

Infokasten Depression

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, deren typischen Anzeichen gedrückte Stimmung, negative Gedanken und Antriebsmangel sein können.

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Gemeinsam als Paar sexuelle Probleme bei Multiple Sklerose bewältigen

Sobald die ersten MS-Symptome auftreten, sollten beide Partner ein Gespräch bei dem behandelnden Neurologen wahrnehmen, um sich über den Stand der Erkrankungen sowie Konsequenzen und Hilfe bei Beschwerden aufklären zu lassen. Da die Krankheit individuell sehr unterschiedlich verläuft, ist jede Behandlung auf den Patienten maßgeschneidert. Wichtig ist der offene Umgang mit der Krankheit bei beiden Partnern, da Multiple Sklerose ein Problem ist, das die komplette Beziehung betrifft. Paare, die bereits wahrgenommen haben, dass ihr Intimleben unter der Krankheit leidet, sollten sich nicht scheuen, Hilfe bei speziell ausgebildeten Sexualtherapeuten zu suchen. Der Blick und die Anleitung von außen durch einen Therapeuten kann ebenfalls helfen, wenn beide oder einer der Partner die Krankheit totschweigen und die auftretenden Probleme somit nicht bewältigt werden. Eine Therapie hilft ebenfalls, sich jeweils in die Perspektive des Kranken und des Gesunden zu versetzen.

Was Paare selbst bei Sexualproblemen bei MS tun können

Entscheidend ist eine liebevolle, von Offenheit geprägte Kommunikation in der Partnerschaft. Die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, dass die Lust wieder zurückkehrt:

  • Kein Erwartungsdruck:
    Hat einer der Partner keine Lust, reicht es völlig aus, Zärtlichkeiten auszutauschen. Die Begierde kommt dann, wenn jeder sich ihr ohne Druck hingeben kann. Eventuell helfen Bilder oder Filme.
  • Unkomplizierte Positionen:
    Bei Muskelschwäche sollten Positionen gewählt werden, die für den erkrankten Partner angenehm sind.
  • Medikamente:
    Kommt es im Umfeld von Sexualität zu Muskelkrämpfen, kann der Arzt ein entsprechendes krampflösendes Mittel verschreiben.
  • Inkontinenz:
    Trinken Sie vor dem Sex weniger und gehen Sie vorher auf die Toilette. Eventuell hilft Ihnen ein Beckenbodentraining. Bei Stuhlinkontinenz können Sie spezielle Analtampons verwenden.
  • Empfindungsstörungen:
    Beckenbodentraining kann Sie ebenfalls dabei unterstützen, die Empfindsamkeit von Klitoris und Vagina zu stärken.
  • Trockenheit:
    Spezielle Gleitgels helfen Ihnen, den Sex entspannt zu genießen.
  • Orgasmusschwierigkeiten:
    Wenn es durch Penetration nicht klappt, kann manuelle oder orale Stimulation Ihnen helfen, den Höhepunkt zu erreichen.
  • Scheidenkrämpfe:
    Ihre Vagina können Sie mit einem Vibrator oder Liebeskugeln trainieren.

Therapie bei durch MS hervorgerufenen Sexualstörungen

Multiple Sklerose kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Hormonsystem haben, weshalb Sie sich bei bestehendem Kinderwunsch unbedingt an Ihren Gynäkologen wenden müssen. Der Frauenarzt kann Ihnen auch bei weiteren Sexualbeschwerden helfen, die aus Ihrer Erkrankung resultieren. So fahren viele MS-Medikamente das Immunsystem herunter, was Sie anfälliger für Infektionen im Genitalbereich macht. Eine gründliche Pflege des Intimbereichs ist hierbei von besonderer Bedeutung, damit das Sexualleben nicht noch zusätzlich durch bakterielle Infektionen oder Scheidenpilz erschwert wird. Bei Scheidentrockenheit kommen häufig Östradiol-haltige Salben oder Zäpfchen zum Einsatz. Daneben gibt es Präparate, die den Aufbau der Scheidenflora unterstützen. Bei Depressionen sollten zunächst die Medikamente auf den Prüfstand kommen, ein Wechsel kann das Problem möglicherweise beseitigen.
Wichtig ist, dass Sie keine Scheu haben, das Thema mit Ihren behandelnden Ärzten zu besprechen. So sollten Sie auch dem Neurologen von Sexualstörungen berichten, damit intensiv Ursachenforschung betrieben und die anderen Fachärzte ebenfalls zurate gezogen werden, um Ihr Liebesleben wieder intensiver gestalten zu können.

2019-08-26T09:06:19+00:00