Multiple Sklerose und Vererbung

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Multiple Sklerose und Vererbung

Multiple Sklerose und Vererbung: was Betroffene beachten sollten

Multiple Sklerose wird häufig in einem Alter diagnostiziert, in dem der Kinderwunsch eine große Rolle spielt. Viele Betroffene sind verunsichert: Ist MS vererbbar? Erhöht die Krankheit das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt? Was muss ich in puncto Medikamente beachten? Der folgende Ratgeber erklärt, warum auch an MS erkrankte Menschen sich ihren Kinderwunsch nicht versagen müssen.

 

Kind an der Hand der Mutter

© StockSnap / Pixabay

Inhaltsverzeichnis

MS- keine klassische Erbkrankheit
Welche Umweltfaktoren spielen bei MS eine Rolle?
Tipp: Schwangerschaft gut planen!
Krankheitsschub während und nach der Schwangerschaft
Fazit: Kinderwunsch erfüllen trotz MS!

 

MS – keine klassische Erbkrankheit

Wer an einer chronischen Krankheit wie der Multiplen Sklerose (MS) leidet, stellt sich zu Recht die Frage, ob diese vererbbar ist. Grundsätzlich gilt: MS ist keine klassische Erbkrankheit – es gibt also kein ‚MS-Gen‘, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. So umfasst die menschliche Erbsubstanz rund 30.000 Gene, von denen vermutlich fünf bis zehn im Zusammenhang mit MS stehen. Welche genau, ist bisher unklar, Wissenschaftler fokussieren sich inzwischen jedoch auf bestimmte Gengruppen. Trotz allem steigt das Risiko für MS an, wenn Elternteile oder Verwandte betroffen sind. Hier ein paar Zahlen:

  • in der Gesamtbevölkerung liegt das Risiko für MS bei 0,1 bis 0,2 Prozent
  • bei einem erkrankten Elternteil erhöht sich das Risiko auf 2 Prozent
  • sind beide Elternteile erkrankt, steigt es auf 20 Prozent

Quelle: https://www.ms-gateway.de/patienten/leben-und-alltag-mit-ms/familienplanung/ms-und-vererbung

Vererbt wird nicht die Erkrankung, sondern eine Prädisposition (Veranlagung). Anders ausgedrückt: Die MS-Empfänglichkeit ist genetisch bedingt, verursacht wird die Krankheit jedoch durch Umweltfaktoren. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass nicht jeder, der die Veranlagung hat, auch tatsächlich an Multipler Sklerose erkranken muss.

Welche Umweltfaktoren spielen bei MS eine Rolle?

Welche weiteren Faktoren bei der Entstehung von MS eine Rolle spielen, ist wissenschaftlich noch nicht gänzlich geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine verminderte Sonnenexposition in der Kindheit, einhergehend mit einem niedrigen Vitamin-D-Mangel, das Risiko für Multiple Sklerose erhöht. So sind in nördlichen Regionen mit geringer Sonneneinstrahlung mehr Menschen von MS betroffen als im Süden. Auch hier sind die Zusammenhänge noch nicht vollkommen klar. Fest steht jedoch, dass Vitamin D einen bremsenden Effekt auf die Reaktion der Immunzellen hat. Fehlt dieser Effekt, nimmt das Risiko für Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose zu. Studien zeigen außerdem, dass Raucher sowie Personen, die in ihrer Kindheit unter einer Virusinfektion gelitten haben, häufiger an MS erkranken als andere.

Tipp: Schwangerschaft gut planen!

Wenn Sie an Multiple Sklerose erkrankt sind und sich ihren Kinderwunsch erfüllen möchten, ist es ratsam, rechtzeitig mit dem betreuenden Arzt darüber zu sprechen – sowohl mit dem behandelnden Neurologen als auch mit dem Gynäkologen. Das ist ausgesprochen wichtig, denn bestimmte Arzneimittel sollten zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt abgesetzt werden. Einige Wirkstoffe können beispielsweise das ungeborene Kind schädigen, während andere während einer Schwangerschaft sowieso entbehrlich sind. Denn: Die Schubrate nimmt bei MS im letzten Schwangerschaftsdrittel um bis zu 80 Prozent ab. Außerdem gilt: Die Fruchtbarkeit ist bei Frauen mit Multipler Sklerose nicht herabgesetzt. Sollte es notwendig sein, können sie sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, auch wenn es Hinweise darauf gibt, dass es dann vermehrt zu Krankheitsschüben kommt. Lediglich dann, wenn Frauen unter Schüben leiden, die in sehr kurzen Abständen auftreten, ist es ratsam, mit der Schwangerschaft zu warten, bis sich die Schubrate vermindert hat. Erst dann sollte, wenn notwendig, ein vorsichtiger Versuch gestartet werden, die MS-Medikamente abzusetzen.

Krankheitsschub während und nach der Schwangerschaft

Bei etwa einem Drittel aller an MS erkrankten Frauen kommt es während der Schwangerschaft zu einem Krankheitsschub. Um die Symptome zu lindern, können auch in der Schwangerschaft Kortikoide verabreicht werden. Lediglich im ersten Schwangerschaftsdrittel sind diese jedoch sehr behutsam zu dosieren. Einer natürlichen Entbindung steht auch bei MS nichts im Wege, allerdings raten die meisten Ärzte von einer Hausgeburt ab, für den Fall, dass Komplikationen auftreten. Und nach der Geburt? Mütter mit MS dürfen ihr Kind stillen – sie sollten es sogar tun, denn das Stillen kann sich positiv auf die Symptome der Multiplen Sklerose auswirken. Nimmt die junge Mutter Kortikoide ein, sollte zwischen der Einnahme und dem Stillen jedoch ein Zeitraum von mindestens vier Stunden liegen. Für den Fall, dass es in den Wochen oder Monaten nach der Entbindung zu einem Krankheitsschub kommt, sollten Eltern sich zudem ein zuverlässiges Netzwerk von Helfern zulegen, die zur Not einspringen und unterstützen können.

Fazit: Kinderwunsch erfüllen trotz MS!

Multiple Sklerose ist kein Grund, sich den Kinderwunsch zu versagen, denn es handelt sich nicht um eine klassische Erbkrankheit. Betroffene Frauen sollten sich jedoch rechtzeitig vor einer Schwangerschaft von ihrem behandelnden Arzt beraten lassen, damit bestimmte Medikamente rechtzeitig abgesetzt werden können. Auch der Kontakt zu anderen Müttern, die unter MS leiden und bereits positive Erfahrungen in Bezug auf das Kinderkriegen gemacht haben, kann dazu beitragen, dass Frauen mit Multipler Sklerose ihre Schwangerschaft in vollen Zügen genießen können.

2019-08-26T12:20:22+00:00