Multiple Sklerose und Kinderwunsch

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Multiple Sklerose und Kinderwunsch

Multiple Sklerose und Kinderwunsch – Mit Plan zum Kind

Gerade, wenn Frauen die Frage nach einem Kind am meisten beschäftigt, setzt die Erkrankung ein: MS tritt meist im Alter von 20 bis 40 Jahren zum ersten Mal auf. Ein Kind und die dauerhafte Erkrankung zu vereinen, ist keine leichte Aufgabe. In den meisten Fällen spricht jedoch nichts dagegen, gut überlegt, vorausschauend geplant und mit Hilfe umfassender medizinischer Betreuung das Wagnis Schwangerschaft einzugehen.

 

Frau mit Schwangerschaftstest

© rawpixel / Pixabay

Inhaltsverzeichnis

Multiple Sklerose – Vererblich oder nicht?
Vorab: umfassende Beratung
Kinderwunsch bei MS – Hilfe sichern
Schwanger werden mit MS
Geburtsverlauf mit MS
Fazit

 

Multiple Sklerose – Vererblich oder nicht?

Die MS ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne, Neben einer gewissen Veranlagung tragen offensichtlich auch Umwelteinflüsse zur Erkrankung bei. Dies ist eine gute Nachricht, denn genetische Faktoren sprechen kaum gegen den Kinderwunsch. In Zahlen bedeutet dies ein Risiko einer Erkrankung von

  • 0,1 % bis 0,2 % bei der Gesamtbevölkerung
  • 2 % bis 3 % bei einem erkrankten Elternteil
  • etwa 20 %, wenn beide Elternteile erkrankt sind

Quelle: https://www.ms-gateway.de/patienten/leben-und-alltag-mit-ms/familienplanung/ms-und-vererbung

Erkrankungen bei Verwandten ersten Grades können das Risiko einer Vererbung geringfügig erhöhen.

Vorab: umfassende Beratung

Mehr noch als bei gesunden Frauen ist es für MS-Patientinnen wichtig, sich bereits bei Kinderwunsch mit allen Aspekten einer Schwangerschaft vertraut zu machen. Neben der rein medizinischen Betrachtung sollte der Frau bewusst sein, dass eine Schwangerschaft und die erste Zeit mit dem Kind kräftezehrend sind. Ein gesunder Lebensstil, ohne Nikotin und ohne Alkohol, mit vollwertiger Ernährung sollte für jede Frau mit Kinderwunsch eine Selbstverständlichkeit sein.

Kinderwunsch bei MS in medizinischer Hinsicht

Besprechen Sie rechtzeitig Ihren Kinderwunsch mit dem behandelnden Neurologen und Ihrem Gynäkologen. Beide Mediziner sollten über die Schritte des jeweils anderen Bescheid wissen, wenn Sie eine Schwangerschaft planen oder ungeplant schwanger wurden. Allgemein wird empfohlen, dass der letzte MS-Schub einige Zeit zurückliegen sollte. Eine Schubprophylaxe ist sinnvoll, damit Sie mit optimalen körperlichen Voraussetzungen in die Schwangerschaft starten können. Welche Medikamente bereits etwa ein halbes Jahr vor der Schwangerschaft abgesetzt werden sollen und welche Sie ohne Bedenken bis zum Eintritt der Schwangerschaft nehmen können, sollte ebenfalls bei einem ausführlichen Gespräch mit Ihrem Neurologen vorab festgelegt werden.

Psychische und physische Belastung der Schwangerschaft und Babyphase

Eine Schwangerschaft kann problemlos ablaufen, aber auch überaus anstrengend werden. Schwangerschaftsübelkeit, die hormonell bedingte Veränderung der Muskulatur und der Bänder, das steigende Gewicht: Alles, was bereits gesunde Schwangere bis an ihre Grenzen belasten kann, wirkt sich unter Umständen bei MS-Patientinnen verstärkt aus. Auch in den ersten Monaten nach der Geburt wird der Frau Höchstleistung abverlangt. Nächtliches Stillen und Aufstehen, nur stundenweiser Schlaf, Hormonumstellung und viel Neues zehren an Kondition und Nerven. Darüber sollte sich jede Frau, ob an MS erkrankt oder nicht, im Klaren sein.

Kinderwunsch bei MS – Hilfe sichern

Von unschätzbarem Vorteil ist es, wenn MS-Patientinnen mit Kinderwunsch sich sicher sein können, dass während der Schwangerschaft und nach der Entbindung zuverlässige Hilfe zur Verfügung steht. Sind Familienangehörige, Verwandte und Freunde dazu gerne und vor allem jederzeit bereit, bedeutet dies eine wesentliche Entlastung. Besteht diese Möglichkeit nicht, so gibt es für chronisch kranke Eltern die Möglichkeit, im Wege der Familienhilfe oder über eine von der Krankenkasse genehmigte und finanzierte Haushaltshilfe sich Unterstützung zu holen. Klären Sie diese Möglichkeiten am besten schon bei Kinderwunsch ab, dann wissen Sie im Bedarfsfall sofort, an wen Sie sich wenden können.

Schwanger werden mit MS

Längst sind Forschung und Medizin auf einem Stand, der die alte Empfehlung, mit Multiple Sklerose besser nicht schwanger zu werden, als unnötig oder gar unsinnig betrachtet. Nur im Ausnahmefall kann dies zutreffen, vor allem dann, wenn weitere Erkrankungen hinzukommen. Ihr behandelnder Neurologe geht individuell auf Ihre Erkrankung und die geplante Schwangerschaft ein.

Fruchtbarkeit und MS

Was die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen mit Multiple Sklerose angeht, steht einer Schwangerschaft nichts im Wege. Untersuchungen brachten zutage, dass bei unbehandelter MS und bei Frauen mit einer hohen MS-Aktivität gelegentlich ein Mangel an Sexualhormonen besteht. Dies abzuklären ist Sache Ihres behandelnden Gynäkologen, der den Hormonstatus feststellt. Liegen hormonelle Ursachen vor, kann eine Stimulationstherapie infrage kommen. Hier besteht jedoch die Möglichkeit, dass Schübe ausgelöst werden. Eine psychische Komponente kann ebenfalls eine Rolle spielen, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Unbewusste Angst, ob Sie der Schwangerschaft und Kindererziehung trotz Krankheit gewachsen sind, kann die Erfüllung des Kinderwunsches verhindern.

Medikation während Schwangerschaft und Stillzeit

Teils sind Medikamente gegen MS während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht oder nur eingeschränkt unter genauer Beobachtung zugelassen. Die aktuellen Daten und welche Medikamente von einem Verbot betroffen sind, erklärt Ihnen Ihr Neurologe. Bei einer Beratung durch ihn erfahren Sie auch, ob ein Umstieg auf ein anderes Medikament bereits beim ersten Kinderwunsch sinnvoll ist.

Geburtsverlauf mit MS

Nicht nur die Schwangerschaft, sondern auch die Geburt verläuft für Frauen mit MS und gesunde Frauen ähnlich. Es ergeben sich höchstens im Einzelfall Einschränkungen. Auch wenn vielfach noch bei MS ein Kaiserschnitt bevorzugt wird, so besteht nicht in all diesen Fällen eine medizinische Notwendigkeit. Auf die eventuell sinnvolle Erleichterung der Geburt durch eine Periduralanästhesie müssen Frauen mit MS nicht grundsätzlich verzichten. Einen Zusammenhang zwischen dem Schubanstieg nach der Geburt und der Art der Entbindung sehen Fachleute nicht.

Fazit – Kinderwunsch und MS

Zusammenfassend ist ganz klar festzustellen, dass Ihrem Kinderwunsch allein durch die Multiple Sklerose grundsätzlich nichts im Wege steht. Ihren Beitrag dazu, dass Schwangerschaft und Geburt möglichst unkompliziert ablaufen, können Sie durch Absprache mit Ihren Ärzten, eigener Gesundheitsprävention und rechtzeitiger Organisation unterstützender Hilfe leisten.

2019-08-26T09:44:08+00:00