Experteninterview: Babywunsch bei MS ist möglich

//Experteninterview: Babywunsch bei MS ist möglich

Experteninterview: Babywunsch bei MS ist möglich

EXPERTENINTERVIEW

Babywunsch bei MS ist möglich

Interview mit Prof. Dr. Kerstin Hellwig

 

Warum hat das Thema „Schwangerschaft“ so eine hohe Relevanz in der MS Therapie?

Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des jungen Erwachsenenalters. 2/3 der Betroffenen sind Frauen, meist wird die Diagnose im Alter zwischen 20 und 40 Jahren gestellt, d.h. in einem Alter in dem sich die meisten Frauen mit dem Thema Familienplanung beschäftigen.

Können MS-Patientinnen sich ihren Kinderwunsch erfüllen? Wenn ja, was gilt es zu bedenken?

Die meisten MS Patienten können und sollen sich ihren Kinderwunsch erfüllen. Die rechtzeitige Absprache mit dem Neurologen zum besten Vorgehen hinsichtlich der MS ist ratsam. Wie gesunde Frauen auch, sollten Frauen mit MS schon in der Planungsphase Folsäure einnehmen.

Wie lange dauert es bis eine geplante Schwangerschaft bei MS-Patientinnen eintritt?

Das weiß man nicht ganz genau. Im Mittel (unseren alten Daten von vor 12 Jahren zufolge) 4 Monate. Neuere Daten gibt es hierzu meines Wissens nicht. Jedoch ist zu beachten, dass die Zeit bis zur Empfängnis neben anderen Faktoren auch altersabhängig ist, d.h. je älter die Frau ist, desto länger dauert es bis zur Empfängnis.

Bis zu welchem Zeitpunkt vor Eintritt einer Schwangerschaft können/sollen MS-Patientinnen die Therapie fortsetzen?

Das hängt von der jeweiligen MS-Therapie ab. Einige Therapien können während der Zeit der Empfängnis und bis zum Eintritt der Schwangerschaft weiter angewendet werden. Andere MS-Präparate müssen zwingend vor dem aktiven Babywunsch abgesetzt werden.

Können MS-Patientinnen stillen?

Die meisten Patientinnen – und natürlich nur, wenn sie möchten – auf jeden Fall. Bei hoher Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft sollte eventuell auch bei Frauen, die stillen möchten, darauf verzichtet werden. Einzelheiten, auch unter welchen Gegebenheiten das Stillen erwogen werden kann, sollte man mit dem Neurologen besprechen.

Wann sollten MS-Patientinnen nach Geburt wieder mit der MS-Therapie beginnen?

Das hängt für mich von mehreren Faktoren ab: Wollen die Patientinnen stillen? Und auch: Wie war die Krankheitsaktivität vor und während der Schwangerschaft?
Grundsätzlich gilt: Fast jede Therapie kann 1-2 Wochen nach der Geburt begonnen werden, wenn die Frauen nicht stillen möchten.

Prof. Dr. Kerstin Hellwig

Frau Prof. Dr. Kerstin Hellwig leitet die neurologische Ambulanz und Poliklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Krankenhaus. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Neuroimmunologie und ganz besonders im Bereich Multiple Sklerose(MS) und Familienplanung.

Prof. Dr. Kerstin Hellwig

Prof. Dr. Kerstin Hellwig

2006 initiierte Prof. Dr. Kerstin Hellwig den Aufbau des deutschen Registers zu MS und Kinderwunsch (DMSKW). Mit Hilfe des Registers sammelte Frau Prof. Dr. Hellwig umfangreiche Daten, um den Verlauf der MS und den Einfluss krankheitsmodifizierender Therapien vor, während und nach der Schwangerschaft erforschen zu können. Über MS und Schwangerschaft veröffentlichte Frau Prof. Dr. Hellwig eine Vielzahl an sehr beachteten Publikationen in renommierten, medizinischen Fachzeitschriften.

Weitere Informationen gibt es auch hier

2019-09-16T12:04:15+00:00