Weibliche Hormone

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Weibliche Hormone

Die weiblichen Hormone und ihre Aufgaben im Leben einer Frau

Bei Hormonen handelt es sich um biochemische Substanzen, die der Körper selbst in winzigen Mengen bildet. Hormone sind lebenswichtige Botenstoffe, die in komplexen Prozessen Wachstum, Wasserhaushalt, Elektrolythaushalt und die Sexualfunktionen steuern. Doch auf welche Hormone kommt es an, wenn es um einen reibungslosen Zyklus oder die lange ersehnte Schwangerschaft geht?

Weibliche Hormone / Pille

Inhaltsverzeichnis:

Die weiblichen Sexualhormone
Hormone und Kinderwunsch
Störungen im Hormonhaushalt

Die weiblichen Sexualhormone

Die Sexualhormone dienen zum einen der Ausprägung der typisch weiblichen Geschlechtsmerkmale, aber auch der Fortpflanzung. Daneben haben sie noch weitere Wirkungen, die jedoch nicht sexualspezifisch sind. Die weiblichen Sexualhormone lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Das sind zum einen die Östrogene genannten Follikelhormone sowie die Gelbkörperhormone (Gestagene).

Östrogene

Östrogen ist genaugenommen der Oberbegriff für eine Gruppe von rund 30 verschiedenen Hormonen. Sie werden manchmal pauschal als weibliches Hormon bezeichnet, obwohl auch Männer in sehr geringen Mengen Östrogene bilden. Mit dem Einsetzen der Pubertät sorgen die Östrogene dafür, dass Brüste und Schambehaarung wachsen.

Die drei wichtigsten Östrogene sind:

  • Östradiol
  • Östron
  • Östriol

Östrogene werden hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet, aber auch in der Nebennierenrinde und während der Schwangerschaft in der Plazenta. Den Impuls für die Bildung der Hormone gibt die Hirnanhangdrüse, die das follikelstimulierende Hormon (FSH) bildet und dabei gleichzeitig an den Blutkreislauf die Botschaft gibt, Östrogene abzugeben. Die Östrogene, die in den Eierstöcken gebildet werden, haben nur eine kurze Lebensdauer und werden bald in der Leber abgebaut und über die Nieren ausgeschieden. Der Östrogenspiegel einer Frau ist nicht konstant und unterliegt Schwankungen, die vom Menstruationszyklus abhängig sind. Um die Zyklusmitte ist die Konzentration am höchsten, über ein Zwischenhormon wird der Eisprung ausgelöst. Danach fällt der Östrogenspiegel rapide ab. Besonders hoch sind die Werte auch während der Schwangerschaft, die Hormone werden dann von der Plazenta gebildet und erreichen kurz vor der Geburt ihren höchsten Wert. Die Wechseljahre sind gekennzeichnet von einer dauerhaft verringerten Östrogenproduktion. Andere Gründe für einen Östrogenmangel sind Funktionsstörungen der Eierstöcke. Eine zu hohe Konzentration kann auf Erkrankungen von Leber und Nieren oder eine Tumorbildung hinweisen.

Luteinisierendes Hormon (LH)

Das luteinisierende Hormon (LH) wird von der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet und löst den Eisprung aus, sobald die Östrogenproduktion des reifenden Follikels ihr Maximum erreicht hat. 28 bis 32 Stunden nach der höchsten LH-Konzentration wird die Eizelle freigesetzt. Danach regt das LH die Follikelzellen zur Bildung von Progesteron an.

Follikelstimulierendes Hormon (FSH)

FSH wird meist in der ersten Hälfte des Monatszyklus ausgeschüttet. Es sorgt dafür, dass Östrogen bildende Eibläschen heranreifen können. Ist die maximale Konzentration erreicht wird die Produktion gedrosselt . Dadurch wird nur noch ein Eibläschen optimal versorgt und kann so ausreifen. Entwickeln sich zwei oder sogar drei dieser Eibläschen weiter, entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft. FSH sorgt bei Männern für eine Neuproduktion der Samenzellen. Zu hohe FSH-Werte weisen auf nicht optimal funktionierende Eierstöcke oder beginnende Wechseljahre hin. Sind die Werte zu niedrig, ist Unfruchtbarkeit das Ergebnis.

Progesteron

Der Gelbkörper (Corpus luteum) produziert während der zweiten Zyklushälfte den größten Anteil an Progesteron. Bei dem Gelbkörper handelt es sich um eine Art Zellgebilde, das nach dem Eisprung aus den Resten des Follikels entsteht. Aus diesem Grund wird Progesteron oft auch als Gelbkörperhormon bezeichnet. Kleine Mengen werden zudem in der Nebennierenrinde produziert, in der Schwangerschaft bildet die Plazenta Progesteron. In den ersten Wochen sorgt Progesteron für den Erhalt einer Schwangerschaft. Unter dem Einfluss von Progesteron verändert sich die Gebärmutterschleimhaut, sodass die befruchtete Eizelle sich einnisten kann. Ist keine Befruchtung erfolgt, stirbt der Gelbkörper ab und die Menstruationsblutung wird ausgelöst. Bei einer Schwangerschaft sorgt das Hormon HCG für das Bestehen des Gelbkörpers. Nach Ende des dritten Monats wird die Produktion des Progesterons in die Plazenta verlagert. Es lässt die Milchdrüsen reifen und regt das Wachstum des Embryos an.

Humanes Choriongonadotropin (HCG)

Bis auf wenige Ausnahmen wird HCG nur während der Schwangerschaft in den Plazentazellen gebildet. Es kann sowohl im Urin als auch im Blut nachgewiesen werden und gilt als sicherer Indikator einer frühen Schwangerschaft. Bei einer künstlichen Befruchtung wird HCG gespritzt, um so einen Eisprung auszulösen. Wenn sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutterwand einnistet und mit der Schleimhaut verbindet, fangen diese Schleimhautzellen an, HCG abzusondern. Über das Blut sendet HCG Signale an Eierstöcke und Hirnanhangdrüse, dass es zu einer Schwangerschaft gekommen ist. Der Eisprung wird blockiert, es tritt keine Periode mehr ein. Acht bis zehn Tage nach dem Eisprung ist HCG im Blut nachweisbar. Hohe HCG-Konzentrationen im Blut außerhalb der Schwangerschaft resultieren möglicherweise aus einer Tumorbildung.

Prolaktin

Nach dem zweiten Schwangerschaftsmonat steigt die Konzentration von Prolaktin deutlich an. Durch die Schwangerschaft und das spätere Stillen wird die Kurve stabil gehalten. Die hohe Konzentration von Prolaktin sorgt dafür, dass keine Menstruation auftritt. Stillt die Frau ab, pendeln sich die Werte wieder im normalen Bereich ein. Prolaktin wird auch bei Stress verstärkt ausgeschüttet und führt dann zu Unfruchtbarkeit. Erhöhte Prolaktinwerte verursachen zudem Zyklusstörungen. Ist der Spiegel des Hormons zu niedrig, kann es Probleme mit der Milchbildung kommen. Wer jedoch in den ersten Lebenstagen des Kindes auf eine Entleerung der Brust achtet, kurbelt zusammen mit dem Saugreflex die Prolaktinproduktion an.

Testosteron & DHEA

Auch Frauen brauchen für ihre Libido und den Muskelaufbau das männliche Hormon Testosteron. Im Körper einer Frau sorgt DHEA (Dehydroepiandrosteron) für die Bildung von Muskeln, aber auch für stabile Gedächtnisleistungen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Spiegel ab, was unangenehme Begleiterscheinungen zur Folge haben kann. Androstendion entsteht im Fettgewebe und stellt eine Umwandlung aus DHEA dar. Eine hohe Konzentration dieses Hormons findet sich oft bei Frauen mit erhöhten männlichen Hormonen und einem entsprechenden Behaarungsmuster.

Hormone und Kinderwunsch

Wenn es bei einem Paar über Jahre nicht klappt mit dem Kinderwunsch und zusätzlich Zyklusstörungen auftreten, kann das an einem Ungleichgewicht der weiblichen Hormone liegen. Die Bestimmung des Hormonspiegels hilft dem Arzt bei der Ursachenforschung. Im Schnitt werden die Werte drei-bis viermal während des Zyklus bestimmt. Gemessen werden Östrogene, FSH, LH, Progesteron, Prolaktin und Testosteron. Anschließend vergleicht der Gynäkologe mit Referenzwerten von Frauen, bei denen keine Zyklusschwankungen bestehen.

Störungen im Hormonhaushalt

Der Hormonhaushalt einer Frau ist ein fragiler Kosmos. Störungen in diesem Kreislauf machen sich durch Menstruationsbeschwerden und Blutungsanomalien bemerkbar. Zunächst nimmt der Frauenarzt eine körperliche Untersuchung vor, danach erfolgt eine Blutentnahme, um den Hormonspiegel zu bestimmen. Auch unabhängig von Störungen sollten Frauen ihren Hormonstatus kennen. So lässt sich eine Schwangerschaft besser überwachen und Wechseljahrsbeschwerden kann frühzeitig entgegengewirkt werden. Auch vor dem Verschreiben der Pille empfiehlt sich ein Hormonstatus.

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2019-08-22T09:59:30+00:00