Hormontherapie bei Kinderwunsch

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Hormontherapie bei Kinderwunsch 2018-06-05T10:43:30+00:00

Hormontherapie bei Kinderwunsch – Alles was Sie wissen müssen

Die Fortpflanzung des Menschen wird – wie viele andere biochemische Vorgänge in seinem Organismus auch – durch das feine Zusammenspiel von Hormonen gesteuert. Bei der Frau äußert sich das vor allem in der Funktion ihrer Eierstöcke. Die Organe sind für die Follikelreifung und den Eisprung verantwortlich. Ist der Hormonhaushalt gestört, kann die Frau unfruchtbar sein. In einigen Fällen kann eine Hormontherapie Abhilfe schaffen. Erfahren Sie hier mehr über die Hintergründe.

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Gründe für Unfruchtbarkeit

Ist eine Frau zwischen der Geschlechtsreife und dem Eintreten der Wechseljahre unfruchtbar, ist meist die Funktion der Eierstöcke eingeschränkt. Ausbleibende Eisprünge sind die häufigste Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Daneben können auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse (Über- und Unterfunktion) sowie diverse andere  Hormonstörungen die Ursache sein.

Diagnostik

Um mehr über den Grad der Fruchtbarkeit einer Patientin zu erfahren, wird ein sogenanntes Zyklusmonitoring durchgeführt. Der Frauenarzt untersucht per Ultraschall den veränderlichen Zustand der Gebärmutterschleimhaut und das Wachstum des Eibläschens. Außerdem wird mittels Blutuntersuchung der Hormongehalt kontrolliert. Störend für den Eisprung sind zum Beispiel ein Zuviel an Prolaktin, Testosteron oder DHEA-S. Hier helfen oft einfache Hormongaben oder eine Umstellung des Lebensstils, zum Beispiel die Reduktion eines zu hohen Körpergewichts. Aber auch ein Mangel an Östrogenen kann Ursache für die ausbleibende Schwangerschaft sein. Ist der Hormonhaushalt einer Frau nicht im Gleichgewicht, kann der Zyklusprozess nicht richtig funktionieren. Dieses Gleichgewicht herzustellen, ist Ziel der Hormontherapie.

Polyzystische Ovarial-Syndrom

Eine mögliche Ursache für die ausbleibende Schwangerschaft ist das polyzystische Ovarial-Syndrom. Ein Überschuss an männlichen Hormonen bzw. auch an dem Hormon Prolaktin kann zu Zyklusbeschwerden und zur Hemmung des Eisprungs führen, was letztlich eine Unfruchtbarkeit nach sich zieht.

Ovarialinsuffizienz

Durch Östrogene wird die Produktion zweier weiterer Hormone ausgelöst: dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) und dem luteinisierenden Hormon (LH). Produzieren die Eierstöcke zu wenig Östrogene, herrscht also ein Mangel, reifen weniger oder sogar keine Eibläschen heran. Die Ovarialinsuffizienz kann sich nicht nur durch Unfruchtbarkeit, sondern auch durch das Ausbleiben der Menstruation äußern. Ein bis zwei Prozent der Frauen unter 40 Jahren sind davon betroffen.

Hormonbehandlung

Eine Ovarialinsuffizienz lässt sich nicht rückgängig machen. Betroffene Frauen können ihre Eierstöcke dennoch vorübergehend mit einer Hormontherapie durch entsprechende Medikamente zu Eisprüngen verhelfen. Hierbei handelt sich um Anti-Östrogene. Auf den ersten Blick scheint dies verkehrt zu sein, da das Östrogen nachweislich notwendig ist, um FSH und LH auszustoßen. Doch das Anti-Östrogen täuscht der Hirnanhangdrüse vor, dass zu wenig Östrogen im Organismus vorläge. Dadurch reagiert sie unmittelbar mit der Produktion von FSH. So kann es über einen kleinen Umweg zu einer zunehmenden Entwicklung von Eibläschen in den Eierstöcken kommen.

Ablauf der Hormonbehandlung

Die Einnahme erfolgt meist oral über Tabletten. Ab dem dritten Zyklustag (also drei Tage nach Einsetzen der Periode) beginnt die Behandlung. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen werden je nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eine oder zwei Tabletten des Wirkstoffes eingenommen. Ist die Behandlung erfolgreich, setzt der Eisprung nach sieben Tagen ein. Um den Erfolg oder Misserfolg zu kontrollieren, führt der behandelnde Arzt anschließend einen Ultraschall der Follikelreifung und eine Blutuntersuchung durch. Möglich ist auch eine Untersuchung des Zervixschleims ab dem zehnten bis zwölften Zyklustag. Dabei wird auch der Status der Muttermundöffnung untersucht. Liegt bis zum 20. Zyklustag noch kein Eisprung vor, lässt sich die Behandlung im nächsten Zyklus nach dem gleichen Ablauf wiederholen. Das kann bei bis zu sechs Zyklen geschehen. Nach drei Zyklen wird die Behandlung für zwei weitere Zyklen pausiert. Kommt es zwischenzeitlich zu einer Vergrößerung der Eierstöcke, wird die Behandlung für einen Zyklus unterbrochen. Dann rät der Arzt in der Regel zu einer anderen Behandlungsmethode.

Nebenwirkungen der Hormonbehandlung

Mitunter kann es durch die Hormonbehandlung zu einer Überstimulation der Eierstöcke kommen. Die Organe produzieren dann übergroße oder mehrere Eibläschen, was das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht. Eine Überstimulation kann auch zu einer Zystenbildung führen. Zudem besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften.

Erfolgsquoten

Die Hormonbehandlung führt nicht in allen Fällen zum Erfolg. Im Durchschnitt kann jede zweite Frau (ca. 46%) durch eine Behandlung mit der Minimaldosis entsprechender Medikamenter schwanger werden. Durch das Erhöhen der Dosis erhöhen sich auch die Chancen eines Eisprungs.

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