Akupunktur bei Kinderwunsch

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Akupunktur bei Kinderwunsch 2018-07-03T09:38:48+00:00

Akupunktur bei Kinderwunsch – was Sie über die Nadeltechnik aus China wissen müssen

In Kinderwunschkliniken, aber auch bei Frauen, die Unterstützung brauchen, um auf natürlichem Wege zu empfangen, wird Akupunktur immer beliebter. Die Heilmethode aus Fernost ist wissenschaftlich gut erforscht und erhöht nachweislich die Chancen auf eine Schwangerschaft.

Was ist Akupunktur und wie funktioniert es?

Akupunktur ist ein Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und wird im Fernen Osten schon seit über 2000 Jahren als Heilmethode praktiziert. Zu diesem Zweck werden sehr dünne Nadeln aus Metall schmerzfrei in spezifische Punkte eingestochen. Die Lokalisation dieser Punkte richtet sich nach der Art der Beschwerden. So soll der Energiefluss im Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht und die universelle Lebensenergie Qi gestärkt werden. Qi fließt in speziellen Bahnen, den sogenannten Meridianen, durch den ganzen Organismus. Diese Bahnen verbinden nicht nur die Akupunkturpunkte untereinander, sondern alle Organe. Krankheit wird dementsprechend als eine Disharmonie dieses Energieflusses definiert. Die Nadeln helfen dem Körper dabei, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Nach dem Einstechen verbleiben die Nadeln etwa für 20 bis 30 Minuten im Körper.

Kann Akupunktur die Fruchtbarkeit einer Frau unterstützen?

Der Behandlungsschwerpunkt in der TCM liegt auf chronischen Krankheiten und funktionellen Störungen. Während die westliche Medizin gezielt die Symptome einer Krankheit behandelt und dafür entsprechende Medikamente oder Therapien verordnet, betrachtet die fernöstliche Heilkunst den Mensch aus einer ganzheitlichen Perspektive. Denn meistens hat eine lokale Störung eine Ursache, die an einem ganz anderen Ort im Körper zu verorten ist. Das erlaubt ein Behandlungsspektrum von Atembeschwerden bis Menstruationsstörungen. Besonders bei Frauenkrankheiten, Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit hat sich die Akupunktur bewährt. Die Chinesen nennen die Gebärmutter „außerordentliches Palastorgan“. Bei Zyklusstörungen, aber auch Beckenschmerzen, Erbrechen in der Schwangerschaft und während der Geburt können mit den Nadeln gezielt Punkte stimuliert werden, um Eierstöcke und Gebärmutter zu stärken. Oft werden die Nadeln ins Ohr gesetzt, denn hier sitzen Zonen, die direkt das vegetative Nervensystem und die Hormonproduktion beeinflussen können. Über mehrere Anwendungen hinweg kann sich der Hormonspiegel so normalisieren. Ein Standardrezept oder eine einheitliche Stelle, an der mit den Nadeln behandelt wird, gibt es allerdings nicht. Selbst wenn zwei Frauen mit einer identischen Diagnose sich für eine Akupunktur entscheiden, werden sie unterschiedlich behandelt. Es werden stets die individuellen Ursachen und Muster hinter der Störung therapiert.

Wie kann Akupunktur helfen, schwanger zu werden?

Bei der Akupunktur handelt es sich um eines der am besten wissenschaftlich erforschten alternativen Heilverfahren. Viele Studien haben sich mit der Wirkung von Akupunktur, oft auch in Verbindung mit chinesischer Kräutermedizin, bei Fruchtbarkeitsstörungen beschäftigt. Die zwölf Hauptenergiebahnen des Menschen verlaufen unter der Haut. Auf diesen Meridianen liegen 365 verschiedene Akupunkturpunkte, mit denen der Anwender entweder gezielt die körperliche, aber auch die mentale Ebene stimulieren kann. Um den Effekt der Stahlnadeln zu verstärken, können sie zusätzlich erwärmt (Moxibustion) oder massiert (Akupressur) werden. Neben diesen Hauptenergiebahnen existieren noch acht Leitbahnen, die keinem speziellen Organ zugeordnet sind. Für die Fruchtbarkeit entscheidend sind zwei weitere Energiebahnen, die jeweils vorne und hinten in der Körpermitte verlaufen. Je nachdem, wie diese Bahnen und die Punkte, an denen sie auf Meridiane treffen, stimuliert werden, kann die Energie gesammelt oder umgelenkt werden. Bei einer Kinderwunschbehandlung geht es meistens darum, Blockaden aufzulösen. Behandelt wird in der Regel über mehrere Monate. Damit die Akupunktur anschlägt, sollte ein Zeitraum von mindestens drei Monaten eingeplant werden bei vier Behandlungen im Monat. Vier deshalb, weil sich der Menstruationszyklus in vier Phasen unterteilen lässt und somit gezielt die verschiedenen Parameter, die für eine Empfängnis und Einnistung entscheidend sind, unterstützt werden können. So kann die Follikelreifung stimuliert werden, aber auch die Durchblutung der Gebärmutter. Denn je dicker und besser durchblutet die Schleimhaut dort ist, desto größer ist nachher die Chance, dass eine befruchtete Eizelle sich einnisten kann. Die folgenden Energiebahnen stehen direkt mit den Geschlechtsorganen und der Fruchtbarkeit in Verbindung:

  • Nieren-Meridian
  • Milz-Meridian
  • Leber-Meridian

Da die Kinderwunschzeit, vor allem wenn sie schon sehr lange dauert, psychisch belastend sein kann, setzen Therapeuten diese Technik zusätzlich ein, um eine Entspannung von Körper und Geist bei der Patientin zu erzielen.

In welchen Fällen verspricht eine Akupunktur bei Kinderwunsch Erfolg?

Viele Paare, die ungewollt kinderlos bleiben, möchten vor einer künstlichen Befruchtung alles probiert haben. In diesem Fall kann Akupunktur helfen, den Kinderwunsch doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Akupunktur hat sich jedoch auch während der Vorbereitung auf eine Insemination als hilfreich erwiesen sowie als Begleittherapie bei einer künstlichen Befruchtung. Viele Frauen, die unter den Nebenwirkungen einer Hormontherapie leiden, berichten davon, dass die Anwendungen ihnen geholfen haben, Schlafprobleme in den Griff zu bekommen und den Zustand nervöser Unruhe sowie starker Kopfschmerzen zu beseitigen. Im Falle einer erfolglosen künstlichen Befruchtung kann Akupunktur zur Nachbehandlung genutzt werden. Daneben haben Patientinnen mit Endometriose, PCO-Syndrom oder wiederholten Fehlgeburten gute Erfahrungen mit Akupunktur gemacht. In den ersten Wochen einer Schwangerschaft kann Akupunktur ebenfalls als Begleittherapie eingesetzt werden. Auch Männern mit einer schlechten Spermienqualität hilft Akupunktur.

Akupunktur und Schulmedizin

Immer mehr Kinderwunschambulanzen und -kliniken integrieren Akupunktur in ihren Behandlungsplan. Einen der Hauptimpulse hat eine Gruppe von Wissenschaftlern des Christian-Lauritzen-Institut in Ulm dafür gegeben. Im Rahmen einer bereits 2002 durchgeführten Studie wurden durch Akupunktur 42,5 Prozent der Patientinnen schwanger. In der Kontrollgruppe kam es lediglich bei 26,3 Prozent zu einer Empfängnis. Die in dieser Studie verwendeten Akupunkturpunkte sind bis heute in den meisten Kinderwunschzentren maßgeblich für die Behandlung zum Zeitpunkt der künstlichen Befruchtung. Eine weitere Studie der Universität Witten-Herdecke aus dem Jahr 2006 bestätigt den Erfolg der chinesischen Nadeltechnik. Gearbeitet wurde bei der Studie mit zwei Gruppen. Von den Frauen, die eine echte Akupunktur erhielten, waren am Ende 33,6 Prozent schwanger. In der Kontrollgruppe mit einer Scheinakupunktur lediglich 15,6 Prozent. Es zeigte sich während der Studie auch, dass bei Frauen, die bereits ein oder zwei erfolglose künstliche Befruchtungen hinter sich hatten, durch Akupunktur in 29,4 Prozent der Fälle eine Schwangerschaft erreicht wurde. Bei den Frauen, die keine Behandlung erhalten hatten, trat lediglich bei 8,2 Prozent eine Schwangerschaft auf. 2008 folgte ein groß angelegtes Projekt der University of Maryland in Baltimore. Zugrunde gelegt wurden alle bis dato veröffentlichten Studien. Insgesamt wurden 1300 Fälle untersucht. Das Ergebnis war eindeutig: Akupunktur führte beim Embryonentransfer zu einer deutlich höheren Anzahl an Schwangerschaften. Vor allem die Quote der Lebendgeburten konnte mit der Nadeltechnik aus Fernost signifikant erhöht werden.

Was kostet eine Akupunktur?

Eine Akupunktursitzung bei einem Therapeuten, der einem anerkannten Fachverband angehört, kostet zwischen 30 und 70 Euro pro Sitzung. Achten Sie darauf, ob der Therapeut Mitglied in der „Qualitätsinitiative Akupunktur“ ist. Hinzu kommen die Kosten für die Anamnese von etwa 100 bis 150 Euro. Gleich, ob das Zustandekommen einer Schwangerschaft auf natürlichem Weg oder eine künstliche Befruchtung mit Akupunktur unterstützt werden soll – die gesetzlichen Kassen zahlen diese Behandlungsmethode leider nicht. Bei entsprechendem Zusatztarif einer privaten Krankenversicherung werden die Kosten hingegen oft teilweise oder komplett erstattet.

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